(Noch-)Nicht-Lese-Empfehlung

Walter Moers ist den meisten bekannt durch das „kleine Arschloch“ und die dazugehörigen Filme. Er schreibt aber auch ganz andere Bücher, wundervoll fantasievolle, märchenhafte Romane, bei denen ich in der Buchhandlung jedes Mal unsicher bin, ob ich nun zuerst bei den Romanen, bei Fantasy, Jugendbüchern oder Humor suchen soll. (Letztlich hatte sich der Buchladen meines Vertrauens um die Entscheidung gedrückt: Sie hatten einen eigenen Aufsteller für Moers.)

In Die Stadt der träumenden Bücher schickte Moers einst den jungen Schriftsteller Hildegunst von Mythenmetz auf der Suche nach dem Autor des mit Abstand besten Stücks Literatur, das er je gelesen hatte, nach Buchhaim. Mythenmetz erlebte in und vor allem unterhalb der Stadt der Bücher unglaubliche Abenteuer und ihn überkam schließlich das „Orm“, die mystische literarische Inspiration.

Im aktuellen Werk Walter Moers‘, Das Labyrinth der träumenden Bücher, ist Hildegunst von Mythenmetz alt und fett geworden. Er langweilt sich bei der Lektüre der vielen Fanpost und fürchtet, dass ihm das Orm längst abhandengekommen ist. Als er eine geheimnisvolle Nachricht erhält, die auf seine früheren Erlebnisse in Buchhaim anspielt, reist er noch einmal dorthin. Er erkundet erneut die Stadt, trifft seine alten Bekannten Kibitzer und Anazazi wieder, kommt noch einmal in das Lokal, in dem ihn damals die Dämonenbiene gestochen hatte, und zum Tiefpunkt sieht er sich ein langes Theaterstück seiner vergangenen Heldentaten an.

Und die ganze Zeit verfolgt uns das Gefühl, nicht nur Mythenmetz könnte das Orm verloren haben, sondern auch Moers. Er recycelt seinen ersten Roman über die Stadt der träumenden Bücher auf über 400 Seiten. Man trifft ja gerne mal in Romanen alte Bekannte wieder oder bekommt Dinge von einer anderen Seite gezeigt. Aber vor allem liest man doch einen Roman, um Neues mitzuerleben. Das kommt hier viel zu kurz. Das Buch endet, nachdem Mythenmetz schließlich wieder im Labyrinth unter Buchhaim gelandet ist, mit den Worten: „Hier fängt die Geschichte an.“ Hoffen wir’s. Moers schreibt im Nachwort, dass er zu viel Stoff und zu wenig Zeit hatte, und vertröstet den Leser auf den kommenden zweiten Band der Geschichte.

Ich werde mir die Fortsetzung kaufen – Wobei, vielleicht leihe ich sie mir erstmal in der Bibliothek aus… – in der Hoffnung, dass die Geschichte wieder so phantasievoll wird wie andere Bücher des Autors. Zumindest, bis die Fortsetzung erscheint, kann ich Die Stadt der träumenden Bücher aber nicht guten Gewissens empfehlen. Wer aber noch keinen der Romane von Walter Moers kennt, dem sei zum Kennenlernen Rumo & Die Wunder im Dunkeln oder eben Die Stadt der träumenden Bücher wärmstens empfohlen. Hoffen wir, dass Moers das Orm zurückfindet und noch mehr solche Bücher schreibt.

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