VDR++

Die Vorrede ist ja nun schon bekannt: Mein VDR hat mich anfangs nicht so rundum begeistert. Das lag aber nicht nur am schlechten Empfang der geliehenen Mini-Antenne. Ich hatte auch das Gefühl, so richtig viel kann dieses VDR ja nicht. Anschauen, Aufnehmen und Abspielen sind schön, aber meine gute alte Gigaset-Kiste hatte ich damit noch nicht geschlagen.

Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe… Ich hatte übersehen, dass Debian nur einen Bruchteil der Plugins liefert, die es für VDR gibt. Bis ich auf eine Liste von schätzungsweise 300 Plugins stieß. Aber auch das ist nicht die Wahrheit. Die Liste (über der deutlich steht, dass sie veraltet ist) enthält auch Plugins, die mit einem aktuellen VDR nicht laufen, solche, die wohl nie so richtig existiert haben, und natürlich auch viele spezialisierte, die für „Sky“, Satellitenempfang oder besondere (zum Teil sogar selbstgebaute) Hardware zuständig sind.

Eine Quelle, nein, wohl eher die Quelle für VDR-Pakete für Debian ist E-Tobis Website. (E-)Tobi hat vor kurzem Pakete für das kommende Debian-Release „Wheezy“ veröffentlicht, und auch Wünsche erfüllt, wenn den Nutzern noch Plugins gefehlt haben. Diese Liste von Plugins ist daher sehr viel kürzer, aber es sind eben auch die, die mit einem aktuellen VDR laufen und die die anderen VDR-Nutzer verwenden. Mit denen wollte ich anfangen.

In meinem Elan habe ich dann erstmal alles installiert, was nicht niet- und nagelfest war. Da die meisten Plugins ihren Eintrag im Haupmenü hinterlassen, war das dann gleich mal auf  mehr Einträge angewachsen, als der Bildschirm fassen konnte. Und erst recht mehr, als ich der tollsten Frau vonne Welt zumuten wollte. Bei Bastlern wird es gerne mal „WAF“ (Woman Acceptance Factor) genannt:  die Zustimmung, auf die ein Gerät bei technisch weniger interessierten Familienmitgliedern hoffen darf. Dafür darf das Hauptmenü meines VDR nicht zahllose kryptische Einträge enthalten. Auf dass man nachher, bei der feierlichen Vorstellung des Geräts, nicht ständig sagen muss „Das brauchst du nicht!“ und „Das ist egal…“ Auch ein „Das funktioniert irgendwann später mal…“ steigert nicht unbedingt die Begeisterung. Ich habe also erstmal wieder die meisten Plugins runtergeschmissen und mit Menuorg angefangen. Damit kann man Menüeinträge umbenennen und auch in Untermenüs verfrachten. Der entsprechende  Obermenüpunkt ist dann gegebenenfalls das einzige Das-brauchst-Du-Nicht. Nur eine Möglichkeit, damit einen Eintrag ganz auszublenden, habe ich nicht gefunden. Manche Plugins bieten aber selbst an, sich zu verstecken.

Dann habe ich der Reihe nach Plugins eingebracht. Zuerst mal ein EPG, das die Standard-Programmansicht des VDR ersetzt. Diese kennt nämlich nur eine Anzeige des aktuellen Programms und eine gesonderte Seite für „Was läuft als nächstes?“ „Nordlichts EPG“ hat leider auch nur diese Ansichten. Ich bin dann bei yaepg gelandet, bei dem laufende und kommende Sendungen zusammen eingeblendet sind und auch optisch leicht sichtbar ist, was bald kommt und was viel später. Wobei ein EPG, das mehr Platz für die Senderliste und weniger für das aktuelle Programm verwendet, auch nicht schlecht wäre…

Mplayer für Videos, MP3 für Musik  und Image für Fotos kommen in ein „Medien“-Menü. Beim Einrichten am Monitor habe ich mich noch gewundert, wofür es diese Plugins überhaupt gibt, wo ich doch einen Menüpunkt namens „Medien…“ hatte, der das alles schon konnte. Dieser kommt aber vom Ausgabe-Plugin Xineliboutput, das man für den Monitor verwendet. Sobald man an den Fernseher geht, ist der Menüpunkt verschwunden.

Man neigt ja dazu, Dinge, die man kennt, für eher selbstverständlich zu nehmen, und Dinge, die für einen neu sind, besonders toll zu finden. Automatische Werbeerkennung gehört für mich zur zweiten Kategorie. Für das Gigaset hatte ich mir ein Fernbedienungsmakro erstellt, mit dem man zuerst fünf Minuten, später sechs Minuten (Früher war alles besser – und die Werbeblöcke kürzer!) in der Aufzeichnung nach vorne springen konnte, um die Werbung zu überspringen. VDR bringt Markad („mark ad“, also „markiere Werbung“) mit. Dieses Plugin versucht, anhand verschiedener Kriterien herauszubekommen, wo Werbung anfängt und wo sie aufhört. Dafür werden Änderungen im Bildverhältnis (16:9 oder 4:3), in den Tonspuren (Stereo oder Dolby Digital), in den schwarzen Balken (wie sie bei der Ausstrahlung von Kinofilmen entstehen) oder bei der Logo-Einblendung analysiert. Man kann dann anhand der von Markad gesetzten Markierungen die Werbung rausschneiden oder beim Ansehen der Aufzeichnung automatisch überspringen lassen.

Das zweite „Killer-Feature“ von VDR ist für mich neben Markad die „Fern-Bedienung“ per VDRAdmin-AM. Damit kann man sich bequem am Computer per Browser in die „Programmzeitschrift“ vertiefen, die auf dem Monitor (im Gegensatz zumindest zum Röhrenfernseher) diese Bezeichnung auch verdient hat, man kann Sendungen direkt aufnehmen, das Programmangebot durchsuchen oder auch Aufnahme-Timer erstellen, die zukünftig automatisch suchen und Treffer aufnehmen. Alles von Tarantino gefällig? Jeden Tatort aufnehmen? Big Bang Theory, aber bitte jede Folge nur einmal? Kein Problem. Wobei der Tatort die Festplatte belasten könnte, wenn man sich nicht auf die Erstaustrahlungen am Sonntag Abend beschränkt. Aber auch das kann man machen. All diese Funktionen stammen vom Plugin Epgsearch. Aber solang man neben seinem Fernseher keine Tastatur hat, macht es erst am Rechner richtig Spaß, den VDR mit Timern zu bestücken und so seine Festplatte vollzumül… achen. Eine andere Möglichkeit zur Fernbedienung ist das Plugin Live, das einen direkteren Zugriff auf VDR hat und so eine höhere Geschwindigkeit erreichen soll.

VDRadmin-AM

Epgsearch hat mich übrigens vor ein Problem gestellt: Einzelne Plugins kann man mit Menuorg in Submenüs verfrachten, indem man den Namen des Plugins angibt. Epgsearch bringt aber gleich vier Einträge ins Hauptmenü, und die lassen sich nicht auf einmal weg-verschieben. Des Rätsels Lösung ist, dass das  Paket Epgsearch gleich vier Plugins mitbringt: epgsearch, epgsearchonly, quickepgsearch und conflictcheckonly. Die können (unter diesen Namen) einzeln im Menü herumgeschubst werden.

Radio und Radiolist habe ich mir installiert – es scheinen aber in Berlin keine interessanten Radioprogramme über DVB-T zu kommen. Die Plugins zum CDs und DVDs Abspielen oder gar Brennen konnte ich mir erstmal sparen, dazu ist ja noch keine Hardware eingebaut. Wenn die Kiste gut läuft, dürfte das aber noch kommen. Plugins wie Femon, Undelete, SysInfo und Wirbelscan habe ich gleich ins „System“-Menü verfrachtet, also in das Menü, das von der tollsten Frau vonne Welt ignoriert werden wird.

Jetzt überzeugt mich mein VDR.

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