Forrest Gump, der aus dem Fenster stieg und verschwand …

Ein Roman aus Schweden war wochenlang Platz 1 auf der Bestseller-Liste: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand …“ Im Gegensatz zu vielen anderen kann ich den Roman nicht so richtig empfehlen.

Ein Mann klettert kurz vor der Feier zu seinem einhundertsten Geburtstag aus dem Fenster. Ohne einen Plan, außer dem, nicht in diesem Altenheim zu bleiben, macht er sich auf den Weg und – wie sollte es anders sein? – erlebt einen Road Trip. Warum er einen Koffer klaut, wird nicht ganz klar, aber dank dieser Aktion ist ihm eine Ganoven-Bande bald ebenso auf den Fersen wie die Polizei. Und natürlich lernt er auch neue Freunde kennen auf seinem Weg. So weit, so wenig überraschend – und so unterhaltsam.

Doch es gibt eine Parallelhandlung: den Lebensweg des Hundertjährigen. Und hier entwickelt sich eine Geschichte, wie ich sie schon bei Forrest Gump nicht mochte. Wenig intelligent und an Politik und Religion komplett uninteressiert stolpert die Hauptfigur von einem historischen Brennpunkt zum nächsten, rettet dem werdenden Diktator Franco das Leben, hilft, die Atombombe zu erfinden und zu verbreiten, lässt sich im Kampf gegen Mao einspannen und so weiter. Aber Alkohol, der interessiert ihn sehr, gestern wie heute. Er säuft mit Truman wie mit Stalin. Und der Alkohol ist dann auch seine einzige Motivation – nicht etwa die Freiheit – aus einem sowjetischen Gefangenenlager zu fliehen.

Was will uns der Autor damit sagen? Sollen wir das gut finden? Wenn sich jemand nicht für Politik interessiert, nun gut, aber der Protagonist lässt sich wahllos vor jeden Karren spannen. Bevorzugt, wenn es genug zu trinken gibt. Und wenn man davon absieht? Dann sind die historischen Episoden sehr weit hergeholt und von wechselnder Unterhaltsamkeit. Der Anglikaner, der nicht versteht, warum er in iranischen Moscheen noch nie jemanden bekehren konnte, hat was – die verwirrte Reise durch chinesische Provinzen nicht.

Den Trip des Hundertjährigen fand ich unterhaltsam, aber ich habe jedesmal innerlich aufgestöhnt, wenn wieder der Wechsel in die Vergangenheit anstand. Ob man das Buch lesen sollte, würde ich tatsächlich davon abhängig machen, wie man Forrest Gump fand. Wer lustig findet, wie ein Dummkopf planlos die Weltgeschichte verändert, der wird auch seinen Spaß am Werk des Autors Jonas Jonasson haben.

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