Gone Home und The Novelist

Ich möchte diesmal gleich zwei Indie-Spiele vorstellen: Gone Home und The Novelist.

Novelist 2
The Novelist – Willkommen zu Hause

Bei beiden Spielen durchstreift man das Haus einer Familie. Gone Home spielt in den Neunzigern. Nach einer einjährigen Europareise kommt die Protagonistin, eine junge Amerikanerin, in ihr Elternhaus. Die Eltern und die jüngere Schwester sind inzwischen umgezogen und es ist bei ihrer Anreise mitten in der Nacht auch niemand da, daher erforscht sie das ihr unbekannte Haus allein.

In The Novelist spielen wir einen Geist in einem Haus, das von einer Familie über den Sommer gemietet wurde. Der Vater ist Autor und hat eine Schreibblockade, die Beziehung der Eltern ist schwierig und der Sohn hat Probleme in der Schule. Wir können ihre Ent­schei­dungen beeinflussen und müssen versuchen, die verschiedenen Interessen so gut wie möglich unter einen Hut zu bringen.

Die Grafikstile sind sehr unterschiedlich: Gone Home wird aus der Ego-Perspektive ge­steuert und stellt mithilfe der 3D-Engine Unity eine halbwegs realistische Umgebung dar. The Novelist zeigt farbige Comic-Grafiken, die die Umgebung und die Menschen stimmig stilisieren.

Beide Werke sind nicht unbedingt Spiele im herkömmlichen Sinne. Bei Gone Home muss man haupt­säch­lich lesen, zuhören und kann ein paar kleine Rätsel lösen. Der Reiz besteht darin, die Familie und die Geschichte des Hauses kennenzulernen und so herauszu­be­kommen, was mit ihnen geschehen ist. Bei The Novelist darf man von der Familie nicht gesehen werden und flüstert dem Vater Ent­schei­dungen ein. Das Computerspiel-Element des Versteckens kann man sogar abschalten und dazu rate ich auch, es macht das ganze umständlicher, aber nicht interessanter.

Gone Home Eingang
Gone Home – Willkommen zu Hause…?

Die Spiele leben dementsprechend eher von dem Erlebnis, ihrer künstlerischen Seite. Das hat für mich unterschiedlich gut funktioniert. In Gone Home lernen wir durch das, was wir in dem Haus finden, die Familie kennen, ihre Berufe, ihre Freizeitbeschäftigungen und auch, was hinter der Fassade passiert. Bis zum Schluss weiß man nicht, was in diesem Haus geschehen sein mag. Ich fand das Erlebnis fas­zi­nie­rend und auch die Auflösung gut. The Novelist hat mich nicht ganz kaltgelassen, über die finale Ent­schei­dung habe ich schon ein wenig nachgedacht. Aber durch das sehr repititive Vorgehen, das ewige Ab­klappern der Wohnung war ich eher ein bisschen genervt als fasziniert. Man ist gezwungen, jeden Spiel-Tag mehrfach durch das immer selbe Haus zu laufen: um Hinweise auf die Ge­scheh­nisse des Tages zu finden, dann jeweils pro Person einmal, um deren Erinnerungen des Tages nachzuerleben, schließlich, um die Entscheidung des Tages zu treffen, um einen Kompromiss zu finden (letztere beide sind an jeweils einen Gegenstand im Haus geknüpft) und weil’s grad so schön war nachts noch einmal. Ich hatte befürchtet, nachts solle man herausfinden, ob hier ein Geist spukt – während man diesen Geist spielt -, aber das ent­wickelt sich dann doch zu einem Rückblick auf die Ver­gangen­heit des Hauses.

Bei der Gamestar scheint Gone Home umstritten gewesen zu sein. Ein Redakteur wirft dem Spiel vor, ein „One-Trick-Pony“ zu sein. Das ist richtig (und gilt auch für The Novelist), man wird das Spiel einmal durchspielen, die Auflösung gut oder nicht gut finden, und das war’s dann. Aber für mich ist das ok. Bei einem Film bekomme ich auch nicht mehr ge­bo­ten: Ich schaue ihn an, bin mehr oder weniger fasziniert, und das war’s. Solange das einmalige Erlebnis gut war, finde ich daran nichts auszusetzen.

Beide Spiele sind für Linux, Mac und Windows erhältlich. The Novelist kostet 14 Euro, Gone Home 19. Meines Erachtens sind beide Spiele ihren Preis nicht wert. Ich kann Gone Home empfehlen, aber ich würde dafür eher so viel ausgeben wie für einen Kinoabend, weil es mich einen Abend lang ähnlich gut unterhalten hat.

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