Bargeld lacht!

Und worüber lacht es?
Über bargeldlose Bezahlsysteme natürlich!

In der Kantine, die ich einmal pro Woche besuche (nicht öfter, um meine schlanke Linie nicht zu gefährden), kann man an manchen Kassen mit Bargeld bezahlen, an manchen nur bargeldlos. Nun wollen sie komplett auf ihr bargeldloses Bezahlsystem umstellen. Ich habe mich dem so lange es ging ver­weigert.

Ich mag Bargeld. Es funktioniert an jedem Ort und auch bei Strom­ausfall. Bis vor einer Weile hatte ich keinerlei Bedarf an einer Kre­dit­karte. Mein Geld war auch so immer jedem gut genug gewesen. Nachdem die tollste Frau vonne Welt und ich dann jedoch in Schwe­den fast ohne Benzin dagestanden hätten und als wir festgestellt haben, dass Flugreisen anscheinend kaum noch ohne Kreditkarte zu bekommen sind, hat sie sich eine eingerichtet, die ich dann zu­ge­ge­bener­ma­ßen auch schon ein paar Mal verwendet habe (weil Steam das Zahlen per Handyguthaben abgeschafft hat).

Ein Argument gegen Bargeld im Alltag soll die Geschwin­digkeit von Bezahl­vor­gängen sein. Ich habe da meine Zweifel. Wenn ich die Leute an der Supermarktkasse mit Karte bezahlen sehe… „Können Sie die Karte noch einmal rausziehen und reinstecken, bitte?“ – „Bitte geben Sie jetzt Ihre Geheimzahl ein!“ – „Da müsste noch Geld drauf sein!“ – „Gestern ging sie noch!“ – „Bitte unterschreiben Sie hier.“ – „Da ist keine Unterschrift drauf, kann ich bitte Ihren Ausweis sehen?“ Da scheint mir, dass eine geübte Kassiererin das mit dem Wechselgeld oft schneller erledigt hat. Eine Untersuchung besagt, dass beides etwa gleich lang braucht. Also kein Grund, auf Plastik­geld umzusteigen.

In Schweden wird sogar diskutiert, das Bargeld ganz abzuschaffen. Weil es angeblich dem Verbrechen Vorschub leistet. Ich habe ja das Gefühl, die größten Verbrechen in Zusammenhang mit Geld werden mit Buchgeld begangen, aber davon mal abgesehen: Was machen die, wenn mal einen Tag lang der Strom ausfällt? Ich meine, klar, das macht so oder so viele Probleme, aber muss man sich ein zu­sätz­liches dadurch schaffen, dass an einem solchen Tag jeder Handel unmöglich wäre, weil man ohne Strom nicht mehr bezahlen kann? Will man dann in die Zeit des direkten Waren­tauschs zurück­fallen?!?

Aber auch, wenn der Strom fließt, was er ja ziemlich zuverlässig tut, ist das sehr problematisch. Schwedische Banken stellen jetzt tat­sächlich nach und nach den Bargelddienst ein. Auf gut Deutsch: Man kann sein Geld dort nicht mehr abholen. Daran bereichern sich die Banken: Laut Merkur Online fallen pro Kauf mit Keditkarte 10 Öre Gebühren an, und da man keine andere Möglichkeit hat ein­zu­kau­fen, würden die Banken an jedem Verkauf in Schweden mit­ver­die­nen. Außerdem würden die Banken riesige Datenmengen über die Geldflüsse sam­meln, wenn jeder einzelne Einkauf über Kre­dit­kar­ten und damit über eine Bank laufen würde.

Ein Kollege meinte, dass das Bargeld-System zu teuer wäre. Ich weiß nicht, ob er sich vorstellt, dass ein bargeldloses System umsonst zu haben wäre. Die Mehrheit der Menschen hierzulande hat noch nicht einmal ein Gerät, mit dem sich so etwas realisieren ließe. Und damit meine ich keine Kredit- oder Bankkarte. Das System müsste es mir auch weiterhin ermöglichen, einem Kollegen mal eben 2 Euro für ein Brötchen in die Hand zu drücken. Das klappt mit der Kreditkarte nicht. Sowas könnte man mit Smart­phones hinbekommen, aber das haben die meisten derzeit nicht. (Warum ich keins habe, hatte ich ja letztens erzählt.) Und es reicht auch nicht, wenn die meisten ein sol­ches Gerät haben. Jeder, der mit Geld umgeht, müsste eines haben – und müsste es auch bedienen können! Das ist nicht umsonst und auch nicht preiswert zu haben. Wenn es überhaupt geht. Und… ist es denn wünschenswert?

Doch zurück zur Kantine.  Ich wollte es versuchen. Am Montag habe ich meinen Be­triebs­aus­weis als Prepaidkarte einrichten lassen. Und als ich ihn dann in den Automaten geschoben habe, um ein Gut­haben rauf­zu­laden… hat die Maschine den Ausweis für sich behal­ten. Den brauche ich aber. Dringend. Ohne komm‘ ich nicht mal ins Büro. Eine Kassiererin hat dann ihren Chef gerufen, der hat den Au­to­maten auf­ge­schlossen, meinen Ausweis geborgen und ein wenig am Me­cha­nis­mus herum­ge­rüttelt. Er hat mir angeboten, es noch einmal zu pro­bie­ren.

Nein, danke.

 

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