„Da hinten, der Neger!“…

… hat mein Mitschüler und Freund Robert Z. damals natürlich nicht gesagt. Aber er wusste auch nicht, was er sonst sagen sollte. Ihm fehlten die Worte – und das war selten.

Dunkel.
Hell.


Es gibt Menschen, und ich hoffe, da können mir die Leser noch zu­stimmen, mit ziemlich dunkler Haut­farbe und solche mit eher heller. Ob es Menschen­rassen gibt oder nicht, sei dabei mal dahin­ge­stellt, darum geht es mir hier nicht.

Eine Bezeichnung für dunkelhäutige Menschen zu finden, die nicht als diskriminierend empfunden wird, ist schwierig. „Neger“ oder gar „Nigger“ scheidet natürlich aus – auch wenn es vom lateinischen Wort für Schwarz kommt. Auch „Farbiger“ scheint manchen un­pas­send. (Viel­leicht kennt der eine oder andere „And you got the fucking nerve to call me ‚coloured'“.) Selbst „Schwarzer“ kam Robert nicht so leicht über die Lippen.

Jetzt könnte man sagen, wir brauchen gar keine Unterscheidung der Menschen nach Hautfarbe. Und in den allermeisten Fällen sollte es ja auch so sein: Es ist egal, welche Farbe deine Haut hat. Aber in diesem Fall standen wir auf dem Breitscheidplatz (also beim Ku’damm) in einer Schülerdemonstration. Um uns herum standen tausende Jugendliche, und Robert wollte mich auf einen hinweisen, den er kannte. Und das absolut einzige Kriterium, nach dem ich seinen Bekannten in der Menschenmenge hätte ausmachen können, war nun mal dessen dunkle Hautfarbe. Doch Robert fehlten wie gesagt die Worte. Er wusste nicht, wie er, ohne in den Verdacht der Dis­kri­mi­nierung zu kommen, ausdrücken sollte, dass derjenige eine deutlich andere Hautfarbe hatte als wohl alle anderen auf dem Platz.

Ähnlich ging es auch mal einem ehemaligen Chef, als er mich zu einem Kollegen schicken wollte. Ich kannte den Namen nicht, und als der Chef herumgedruckst hat, habe ich schon geahnt, was ihm da nicht über die Lippen kommt. Ich habe ihn dann gefragt, ob er den meint, „der nicht ins Solarium geht“. Ja, den meinte er. Ich vermute, auch das Wort „maxi­mal­pig­men­tiert“ soll scherzhaft auf dieses Wort­findungs­problem hinweisen.

Solche Formulierungs­probleme sollte es nicht geben. Für die – eher seltenen – Fälle, in denen man Menschen nach der Haut­farbe un­ter­schei­den muss, muss es auch ein Wort geben, das nicht deshalb als dis­kri­mi­nie­rend (von lateinisch discriminareunter­scheiden) emp­fun­den wird, weil es einen Unter­schied be­schreibt. Unter­schiede zwi­schen Menschen kann man nicht weg­de­finieren und man kann sie nicht ver­bie­ten. Die Leute müssen schlicht lernen, dass jeder Mensch mit den gleichen Rechten auf die Welt kommt, ob die Lieferung des neuen Erden­kinds nun mit schwarzer oder weißer Hautfarbe erfolgt.

Oder wir machen es doch, wie Lemmy von Motörhead einmal vor­ge­schla­gen hat: Wenn alle durch­einander­f***en(*), dann gibt es irgend­wann nur noch Misch­linge und das Problem hat sich von allein erledigt.
(*) Sorry, aber er hat gewiss nicht das Wort „Geschlechtsverkehr“ benutzt.

4 Gedanken zu „„Da hinten, der Neger!“…“

  1. Hallo Eike,

    ich kenne das Problem auch.
    Allerdings denke ich, dass das Problem da liegt, dass eine offensichtliche Eigenschaft andere Eigenschaften „überdeckt“ und man sie weniger beachtet.
    Was wäre gewesen, wenn Roberts Bekannter ein Weisser gewesen wäre? Dann wären ihm bestimmt andere Merkmale aufgefallen („Der mit der roten Jacke neben der stark geschminkten Frau im linken oberen Drittel der Menschenmenge“ … unterstützt durch einen Fingerzeig in die ungefähre Richtung).
    Kinder, die unbelasteter an die Sache rangehen, machen das oft genau so … „Der grosse Junge mit der blauen Badehose“ – nicht „der Asiate da hinten“.
    Ich erinnere mich gerne an die Folge „Flaggenkrieg“ (Staffel 4, Episode 8) der Serie Southpark. Dabei geht es darum, dass auf der Ursprünglichen Flagge 4 Weisse Männchen ein schwarzes Männchen hängen. Die Kinder verstehen den Aufruhr um die Fahne nicht, da ihnen das Konzept des Rassismus nicht bewusst ist – sie sehen nur 4 Leute die einen Fünften aufknöpfen. Die aufgebrachten Bürger Southparks sind erst dann beruhigt, als die Flagge dahingehend geändert wird, dass die 4, die nicht gehängt werden, alle unterschiedliche Farben haben. Somit ist es kein Rassismus mehr sondern OK.
    (https://www.google.de/search?q=southpark+flagge)

    Ich finde den Begriff Schwarzer nicht schlimm, aber ich selbst versuche, andere Merkmale zu finden, wenn ich mit jemanden Fremden darüber rede – wer weiss, wie „diskriminierend unrassistisch“ derjenig ist ;)

    PS: es gibt tatsächlich auch „Afro-Europäer“, die ins Solarium gehen.

    1. Ich will für diese spezielle Situation eigentlich gar keine andere Lösung finden, die Person zu bezeichnen. Die Bezeichnung nach Hautfarbe ist (wie gesagt in so einem Sonderfall) einfach optimal. Einfacher und schneller hätte mir Robert nicht sagen können, wen er meinte.

      Ich will unterscheiden können, ohne zu diskriminieren, und ohne zu Unrecht in den Verdacht der Diskriminierung zu kommen.

  2. !!!!
    Diese Situation kenn ich. Ich denke schwarzer ist ok!?
    Mir ist aber auch dabei immer unwohl.
    Der Solarium Spruch ist witzig, nur denke ich, dass es auch leider da Menschen gibt die es als diskriminierend empfinden.
    Aber mal ehrlich, eigentlich kann man es nicht richtig machen, denn es gibt immer Leute die mit Leidenschaft nach Sachen suchen die sie als rassistisch, diskriminierend, homophobisch oder frauenfeindlich betiteln können.
    AUFSCHREI!!!
    Immer dieses Gebrüll.

    Wir sind Mensch!

    1. Um „Schwarzer“ hab ich mich im Text ein bisschen gedrückt. Ich hab dunkel in Erinnerung, dass es auch da Beschwerden gab, hab aber keine gefunden. Also, ich würd‘ „Schwarzer“ nehmen, denk ich. Das mit dem Solarium würde ich auch nur sagen, wenn derjenige außer Hörweite ist. :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.