Elternzeitenwende

Vor einer Weile hat Zwerg Eins mich zum ersten Mal angelacht. Nicht un­will­kürlich mit den Mundwinkeln nach oben gezuckt, sondern auf ein Anlächeln mit einem Zurück­lächeln reagiert. Ein toller Augenblick.

Da hat man sich – tut mir leid, aber so ist es halt – monatelang anpinkeln und ankacken, anspeien und anschreien lassen, und dann bekommt man etwas zurück, und sei es noch so klein. Man saugt es auf wie ein Schwamm.

… und ein paar Tage später war meine Elternzeit zu Ende. Scheiße.

Kinder zu versorgen, zumal Zwillinge, ist harte Arbeit, auch zu zweit. Nun musste ich wieder arbeiten, was für mich wie auch für die tollste Frau vonne Welt zusätzlichen Stress bedeutet.

Ich muss als Programmierer bei der Arbeit wenigstens halbwegs geschlafen haben, sonst brauche ich erst gar nicht hingehen. Aus einem von der Müdigkeit abge­schal­te­ten Hirn kommen keine Ideen. Und so nahm mir die tollste Frau vonne Welt meist eine von zwei „Nacht­schichten“ ab, sobald ich arbeiten gehen musste. (Inzwischen reicht den Kindern meist eine.) Nach ein paar Tagen hat mein Chef mich gefragt, ob ich mich bei der Arbeit erhole. Klingt komisch, auf Arbeit erholen, und das auch noch vor dem Vorgesetzten zu­zu­ge­ben, aber ich konnte das nur bejahen. Acht/neun Stunden, die niemand schreit (oder wenn doch, dann kann ich mit ihm reden ;-) ), das ist schlicht gut für die Nerven.

Die tollste Frau und Mama vonne Welt hat dadurch nachts noch mehr Stress, und zusätzlich ist sie tagsüber mit den Kindern allein. Einige Male habe ich beim Nach­hause­kommen ein schrei­endes Kind in die Hand gedrückt bekomme. Da bleibt manchmal keine Zeit, sich auch nur die Schuhe auszuziehen, geschweige denn zu duschen.

Ein wenig traurig macht mich, dass nun, wo gerade das erste Lächeln kam, die meisten Entwicklungen ohne mich stattfinden werden. Ich kann mir abends erzählen lassen, was die Kinder neues gemacht haben, ich kann es dann auch mal erleben – aber beim ersten Mal dabeisein werde ich selten.

Klingt das zu negativ? So ist es nicht gemeint. Vater sein ist anstrengend, sehr anstrengend. Aber es war die beste Entscheidung meines Lebens. Als mein Chef mich im jährlichen Weiter­entwick­lungs­gespräch nach meiner „persönlichen Perspek­tive“ gefragt hat, habe ich, mal wieder zu spontan und ehrlich, geantwortet: „Papa sein.“

… und Zwerg Eins hat seine neue Fähigkeit gleich ausgelebt. Beim Trinken. Zwerg Eins, es ist super-toll, dass du nun lächelst, und ich hoffe, du tust es in deinem Leben oft und viel – aber doch bitte nicht beim Trinken!

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