„Ein Gamer kommt um Windows nicht herum!“

… so oder so ähnlich lese ich es öfter, erst heute wieder in einer Face­book-Gruppe zum Thema Linux.
Die kurze Antwort ist „Falsch.“
Die etwas längere: „Kommt drauf an, was man erwartet.“

Um ein Missverständnis gleich aus dem Weg zu räumen, das jemand in einer dieser wiederkehrenden Diskussionen hatte: Ich behaupte nicht, dass Linux ein besseres System zum Spielen ist als Windows. Aber es kann gut genug sein. Das hängt von den Ansprüchen ab, die man an sein Spielesystem hat.

Wer die Möglichkeit haben möchte, jedes Spiel zu spielen, von dem er durch Spielezeitschrift, Website oder Videokanal seines Ver­trau­ens erfährt, der wird mit Linux nicht glücklich. Wer sich mit Kollegen oder auf dem Schulhof über das neuste AAA-Spiel aus­tau­schen möchte, auch nicht. Viele große Spiele erscheinen nicht für Linux. Und die, die erscheinen, kommen oft später.

Ich habe mehrmals gehört, wer alle Spiele spielen können will, der braucht Windows. Aber das ist natürlich nicht mal die halbe Wahr­heit. Wer die Möglichkeit haben will, sagen wir Bloodbourne (Play­Station 4, 92 von 100 auf Metacritic), Uncharted 4 (PlayStation 4, 93%), Legend of Zelda: Breath of the Wild (Nintendo Switch, 97%), Super Mario Odys­sey (Switch, 97%) und andere zu spielen, braucht zumindest noch die Play­Station 4 und die Nintendo Switch. (Auf­re­gen­de Xbox-exklusive Spiele habe ich interessanterweise keine gefunden.) Wer alles spie­len können will, für den reicht Linux natürlich nicht – für den reicht aber auch Windows nicht.

Aber ich gehe anders ans Spielen heran: Ich will meinen Spaß haben. Und wer tolle Spiele spielen möchte, kann für Linux mehr finden, als man jemals Zeit zum Spielen haben sollte. Nachdem ich früher (auch unter Linux) wie viele andere Steam-Nutzer haufenweise Spiele angesammelt habe (der berüch­tigte „Stack of Shame“), bemühe ich mich nun, nur ein­zu­kau­fen, was ich auch in naher Zukunft spielen könnte. Dennoch werden mich allein die paar Spiele, die noch ungespielt auf mich warten (Metro 2033 und Metro Last Light, Shadowrun Hongkong, Thau­mis­try, The Inner World, Observer, …), locker über 100 Stunden be­schäf­ti­gen. Die 35 Linux-Spiele auf meiner handverlesenen Wunsch­liste würden zusätzlich für einige hundert Stunden Spiel­spaß sorgen… wenn ich denn so viel Zeit hätte. Und wenn mehr Spiele zur Verfügung stünden, hätte ich halt auch nicht mehr Zeit.

Ich will nicht verschweigen, dass es einige Spiele gibt, die mich reizen, die aber nicht nativ unter Linux laufen. (WINE möchte ich nicht ver­wen­den. Wo wäre der Anreiz, Spiele nach Linux zu portieren, wenn Linux-​Spieler die Spiele so oder so kaufen?) Ich würde gerne Fall­out 4 und Witcher 3 durchspielen, Technobabylon und Inside. Oder PUBG ausprobieren.

Für solche Fälle gibt es nun übrigens, angekündigt in der ersten Ver­öffent­lichung von Valve für die Steam-for-Linux-Gruppe seit Februar 2014, eine Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen: Wer bei Steam Linux als sein System einträgt, aber Windows-Spiele auf seine Wunschliste setzt, sorgt dafür, dass dem Entwickler das gesondert angezeigt wird.

Aber wenn diese Spiele nicht umgesetzt werden, auch kein Problem. Dann habe ich statt­des­sen mit anderen tollen Spielen meinen Spaß. Und um den Spaß geht’s doch beim Spielen – oder?

Und damit auch wirklich niemand denkt, ich müsste spiele­tech­nisch darben, hier ein Blick in meine Spiele-Sammlung…

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