Die Duden-Polizei

Früher nannten wir jemanden (oft mich) „Duden-Polizei“, wenn er einen anderen – im Zweifel mithilfe des Dudens – korrigiert hat. Wenn man nach dem Begriff googelt, findet man ihn so selten, dass ich mich frage, ob sich das Wort dann ein klein wenig verbreitet hat oder ob unabhängig voneinander verschiedene Gruppen auf den Begriff gekommen sind. Wie dem auch sei, vor einer Weile habe ich auf ganz andere Weise „Duden-Polizei“ gespielt:

Ich habe den (heiligen!) Duden korrigieren können!

Ich weiß nicht mehr, wie ich im Online-Duden beim Begriff „Renderbild“ gelandet bin. Jedenfalls fand ich die Erklärung unbefriedigend. Nein, falsch; falsch fand ich sie.

freigestelltes Bild ohne Hintergrund

… stand da nämlich.

Nun erklärt der Duden den Begriff „Rendering“ mit „Voraus­be­rech­nung am Computer in Gestalt einer [wirklich­keits­nahen] drei­dimen­sionalen virtuellen Darstellung“. Das geht an, und das Renderbild ist halt das (zweidimensionale) Ergebnis dieses Vorgangs. Und das hat dann auch einen gerenderten Hintergrund – und freistellen kann man genauso gut Fotos.

Kraft meiner diplom-informatischen Wassersuppe, unter Hinweis auf die Fachzeitschrift c’t und garniert mit ein wenig Honig ums Maul habe ich es gewagt, dem Duden einen Korrekturvorschlag zu schicken:

aus 3D-Daten errechnete Computergrafik

Mein Hinweis wurde an die Redaktion weitergeleitet und nach einigen Wochen bekam ich eine Mail, in der mir gedankt wurde („für Ihre fachkundige Unterstützung“!) und die Korrektur der Definition mitgeteilt wurde:

mittels Rendering erzeugte [wirklichkeitsnahe] Darstellung (z. B. einer Figur, eines Autos)

Es freut mich, dass ich den (Online-)Duden verbessern konnte. Es bereitet mir allerdings ein wenig Bauchschmerzen, mir vorzustellen, wie es wohl zu dem alten Eintrag gekommen sein könnte. Als hätte jemand das freigestellte Rendering-Bild von sagen wir einem neuen Automodell gesehen und sich aus diesem Beispiel eine Wort-Defi­ni­tion gezimmert. So sollte der Duden natürlich nicht arbeiten, weder off- noch online.

… und natürlich schlage ich trotzdem das eine oder andere Wort für diesen Beitrag („genausogut“ geht nicht?) im Duden nach.

 

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