Droggelbecher!

Der aktuellen GameStar (Ausgabe 8/13) liegt das Spiel „Edna bricht aus“ des bekannten Adventure-Entwicklers Daedalic in der Windows-Version bei. „Edna bricht aus“ ist eines der besten Adventures, die ich je gespielt habe. Und das für Eins-Fuffzich Aufpreis.

Die Hauptfigur Edna sitzt in der geschlossenen Nervenklinik. Unschuldig – was ihr Freund Harvey, ein sprechender Stoffhase, auch bestätigt. Leider hat sie das Gedächtnis verloren. Aber Harvey und Edna sind sich einig: Sie wollen ausbrechen. Sie begeben sich auf eine Reise in die böse Welt da draußen und in Ednas Erinnerungen.

Ich hatte „Edna bricht aus“ damals in den Elektronikmarktregalen gesehen und konnte gar nicht glauben, dass noch Spiele mit solchen Grafiken verkauft werden. (Das war vor der Indie-Welle, wo Spiele mit noch viel schlechteren Grafiken verkauft werden, wenn auch selten im Elektromarkt.) Ich hab es liegengelassen. Bis es in den Abstimmungen zum Adventure-Spiel des Jahres und zur Überraschung des Jahres weit oben landete.

„Edna bricht aus“ ist technisch… unprätentiös. Die Auflösung ist fest auf 800 * 600 eingestellt, die Zeichnungen sind einfach und die Animationen schlecht. Das Speichern und Laden von Spielständen dauert unglaublich lang. Aber nach ein paar Minuten Spielen ist all das egal.

Kumpel Harvey
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Wenn ich erklären will, was an Edna so toll ist, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Die Hauptfigur ist toll. Sidekick Harvey ist toll. Viele der anderen Figuren sind auch toll. Die Rätsel machen Spaß. Aber das tollste ist vielleicht, dass Edna auf fast jeden Quatsch, den man probiert, eine Antwort hat (und oft auch noch Harvey seinen Senf dazugibt). Man kann sogar versuchen, mit Stuhlbeinen zu reden…!

Ich komme beim Adventure Spielen meist früher oder später zu dem Punkt, wo ich einfach alles mit jedem aus dem Inventar probiere, weil ich nicht mehr weiterweiß. Im Normalfall ein eher unangenehmer Punkt, und man holt sich viele „Das kann ich nicht kombinieren“ oder vergleichbare Kommentare ab. Bei Edna – und da ist das Inventar teilweise wirklich umfangreich – hat es so richtig Spaß gemacht, alles mit allem auszuprobieren und sich den Spruch anzuhören, den sich der Entwickler dazu ausgedacht hatte.

Als der Nachfolger von Edna, „Harveys Neue Augen“, einem Test unterzogen werden sollte, habe ich mich beworben, bin auf meine Kosten nach Hamburg gefahren und habe die Unterbringung bezahlt, nur um dieses Spiel früh spielen und meine Kommentare abgeben zu dürfen. Bei Deadalic hat man uns erklärt, dass Edna das Ergebnis der Diplomarbeit des Hauptautors Jan „Poki“ Müller-Michaelis war und dass man normalerweise so viel Sprachausgabe kaum finanzieren kann – schon gar nicht, wenn man das Spiel auch in anderen Sprachen herausbringen wollte. Bei Edna hat das noch keine Rolle gespielt, da konnte sich der Entwickler noch austoben. Das erklärt wohl die Ausnahmestellung des Spiels.

Außerdem hat man uns im Hamburg erzählt, dass es ihnen ein Rätsel ist, wie Edna Kindersoftwarepreise gewinnen konnte. Es lässt sich nur so erklären, dass die Jury den knuddelig-knuffigen Anfang gespielt hat, die liebevoll dargestellten Figuren gesehen hat. Wenn man das Spiel weiterspielt, wird es deutlich düsterer. Ich würde nicht wollen, dass mein Kind zu früh Edna spielt.

Aber du, du solltest Edna spielen! Wenn du Adventures magst. Oder wenn du wissen willst, was „Droggelbecher“ bedeutet. Es ist ein großes kleines Spiel.

„Edna bricht aus“ gibt es auch für Mac und iPad. Und wer seine Adventures lieber schicker und bunter und hochauflösender, aber trotzdem lustig mag, der kann diesen Monat zur PC Games greifen. Der liegt The Book of Unwritten Tales bei. Das Spiel will ich demnächst auch noch vorstellen.

3 Gedanken zu „Droggelbecher!“

  1. Na hör mal… was ist mit Leisure Suit Larry, Monkey Island, Day of Tentacle…
    Danke für den Tipp! Und wenn du mal wieder in HH bist, melde dich doch mal…

    1. Monkey Island und Day of the Tentacle gehören definitiv auch in die Liste.
      Es ist schwer, sich für eins zu entscheiden, aber ich denke,
      Day of the Tentacle wäre sogar meine Nummer 1.

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