Violett

Violett ist kein Spiel, von dem ich eines Tages stolz meinen Enkeln berichten werde, dass ich das damals gespielt habe, als es noch neu war. Das will es aber auch nicht sein. Es ist ein kleines, feines unterhaltsames Rätselspiel, hübsch gezeichnet für wenig Geld.

Das Intro zeigt, wie Violett mit ihren Eltern umzieht; in ein schickes altes ab­ge­legenes Haus, aber anscheinend fern ihrer Freunde. Sie sitzt trübe auf ihrem Bett, als etwas sie aus einer Wandritze anfunkelt. Es ist ein Amulett, das sie auf eine Fantasiereise mitnimmt. Und schon sind wir in einer Welt, die stark an Alice‘ Wunderland erinnert. Wir sprechen mit Vögeln und rauchenden Raupen und müssen uns vor der bösen Fee in Acht nehmen.

Violett entdeckt gleich zu Anfang, dass sie in dieser Welt telekinetische Kräfte hat, und entwickelt im Laufe des Spiels noch ein paar andere Fähigkeiten. Außerdem stellen wir schon im ersten Bild fest, dass wir Kugeln mit drei verschiedenen Farben entdecken und mitnehmen können. Das entwickelt sich zu einer Wimmelbild-Nebenbeschäftigung. Manche Kugeln sind nur mehr oder wenig schwierig zu sehen, andere verstecken sich hinter Klappen oder in Gefäßen, die sich auf Klick öffnen. Es gibt eine „Errungenschaft“, wenn man alle Kugeln bis auf eine findet, aber das dürfte ohne Walkthrough schwer werden.

Die Hauptbeschäftigung von Violett besteht darin, Rätsel zu lösen. Die meisten davon beschränken sich auf den aktu­ellen Bildschirm. Die Aufgaben fordern manchmal ein wenig Köpfchen, manchmal kann man sie durch Herumprobieren lösen, ohne den Mechanismus zu durchschauen, und gelegentlich artet es auch in Fleißarbeit aus. Die Wesen, die uns helfen oder Forderungen stellen, sprechen syn­chro­nisierungsfreundlich über Bildchen in Sprech­blasen mit uns. Ab und zu finden wir eine Seite aus einem Tagebuch, die sind so mittelgut über­setzt.

Der sprachlose Charakter, der in mehr oder weniger abgeschlossenen Räumen Rätsel­chen löst, könnte die älteren unter uns (wie mich) an „Gobliiins“ erinnern. Insgesamt fehlt dem Spieler ein wenig der Überblick: Woher kommen die Seiten? Wofür braucht man die Kugeln? Was ist eigentlich gerade mein Ziel? Das „Finale“ sieht stark danach aus, als wäre hier noch Interaktion geplant gewesen, hätte sich am Ende aber nicht umsetzen lassen. (Oder hat das Geld gefehlt?)

Aber am Ende bleibt, dass mich Violett „zwischen den Jahren“ 12 Stunden gut unterhalten hat. Das Spiel gibt es für Linux, Mac und Windows.

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