VDR – Was bisher geschah

Mein Receiver ist also den Weg alles Irdischen gegangen. Aber wenn man mal aufgenommen und gespult hat, wenn man gewohnt ist, fernzusehen, wann man Lust hat, und nicht, wann der Programmplaner Lust hat, dann will man nicht mehr pünktlich um 20:15 Uhr vor dem Fernseher sitzen und Werbung von Anfang bis Ende anschauen müssen.

Ein wenig habe ich mich umgekuckt, ob es da etwas zu kaufen gibt. Aber ehrlich gesagt nicht viel. Ich hatte schon im Gigaset-Nutzerforum gelesen: Sowas wie den M740 AV gibt’s kein zweites Mal. Und schließlich bin ich Informatiker mit ein wenig Bastel-Trieb. Ich überlege also, mir selbst einen Receiver zusammenzustellen, zu installieren und zu konfigurieren.

Mein Gigaset war Linux-basiert, auf dem Desktop verwende ich seit 1998 Linux, auch mein neuer Receiver soll Linux-basiert sein. Als c’t-Leser war mir VDR (Video Disc Recorder) ein Begriff, also wird das zuerst probiert. Aber bevor ich Hardware kaufe, will ich das erstmal auf dem Desktop-Rechner antesten. Als ein Freund mir einen DVB-T-USB-Stick geliehen hatte und die Tollste Frau Vonne Welt ein paar Tage weg war, gingen die Versuche los.

Ich brauchte schon mal einen Abend, um den Stick überhaupt zum Laufen zu bringen. Der Besitzer hatte mich gewarnt, dass bei seinen Experimenten vor längerer Zeit Linux den Stick noch nicht unterstützt hat. Inzwischen gibt es aber einen Treiber dafür. Die nächste Hürde war, dass meine Linux-Distribution Debian vor kurzem die letzten Reste aus der Distribution entfernt hat, die nicht Freie Software sind. Dem war auch der Treiber für den DVB-T-Stick zum Opfer gefallen. Man kann ihn aber leicht nachinstallieren: Der TerraTec-Stick, mit vollem Namen Cynergy T USB XXS, verwendet einen Chip der Firma Dibcom. Der passende Treiber ist im Debian-Paket firmware-linux-nonfree enthalten.

Der nächste Abend war der VDR-Software gewidmet. VDR ist ein Server, zum Ansehen auf dem Rechner selbst gibt es einen Client namens vdr-sxfe. Im Normalbetrieb soll die Ausgabe dann natürlich über die Grafikkarte oder eine Videokarte an den Fernseher gehen. Die Konfiguration lief ziemlich haklig. Es gibt zahlreiche verschiedene Tipps im Netz, und am Ende hatte ich mir damit mein VDR so verkonfiguriert, dass ich nochmal alles gelöscht (aptitude purge libxine2-vdr libxine2-xvdr vdr vdr-plugin-xine) und von vorne angesetzt habe. Die hilfreichsten Informationsquellen waren der E-Tobi-Blog und die c’t. Das VDR-Wiki ist recht bunt und wohl nicht immer aktuell. Den Durchbruch haben dann der c’t-Artikel in der Ausgabe 20/2011, Seite 178 (kostenpflichtiger Download) und die dazugehörigen Konfigurationsdateien gebracht.

Am dritten Abend habe ich mich an der Fernbedienung versucht – und bin gescheitert. Ich kann VDR daher erstmal nur – leidlich – mit der Tastatur bedienen. Das Problem wird dann gelöst, wenn die Hardware zusammen ist.

Der erste Blick auf das laufende VDR ist vielversprechend: Abgesehen von den Funktionen, die ich erwartet habe, kann man – eigentlich auch wenig überraschend – seine MP3s und seine Videos abspielen und sich die Urlaubsfotos auf dem Fernseher anschauen. (Das könnte doch bequemer werden als das letzte Mal vor dem Monitor…) Auch DVDs und Musik-CDs sollen abspielbar sein. Das hat aber auf meinem Rechner nicht auf Anhieb geklappt, und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich da nicht doch lieber einen dedizierten Abspieler verwenden will. Es müsste zumindest ein sehr leises Laufwerk sein, ganz im Gegensatz du dem in meinem PC. Die Oberfläche („OSD“) ist, nüü… funktional. Ist ok, aber ich werde mich bei Gelegenheit nach was Schickerem umschauen. Wobei, wenn es auf dem Fernseher angezeigt werden soll, darf es wohl auch nicht allzu verspielt sein.

Aber jetzt muss erstmal passende Hardware her. Und damit das Gewissen nicht allzu sehr beißt, sollte sie auch noch bezahlbar sein…

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