Debian und ich

Seit 1998 verwende ich Debian Linux auf meinem Rechner. Das war anfangs recht kompliziert. Aber ich war motiviert, nachdem Windows 98 mich gründlich veräppelt hatte. Heutzutage ist Linux nicht mehr kompliziert, denke ich. Natürlich, manchmal nervt es – aber das tun andere Betriebssysteme ja auch. Inzwischen helfe ich ein klein wenig bei Debian mit.

Da mir ein komplettes System mit Tausenden von Programmen gratis zur Verfügung gestellt wird, habe ich 2001 beschlossen, auch etwas zurückgeben. Anfangs habe ich Programm-Beschreibungen ins Deutsche übersetzt. Aber meine Berufung liegt weniger im Schreiben oder gar im Übersetzen als in der Informatik. Daher wollte ich etwas Technischeres finden, was ich für Debian tun könnte. Ich beschloss, Fehler zu korrigieren, die für Debian-Programme gemeldet worden waren.

Für die Analyse eines der ersten Fehler, die ich mir im November 2003 angeschaut habe, musste ich zwei Quellcode-Versionen vergleichen. Für solche Analysen ist in meinen Augen ein grafisches Diff-Programm unverzichtbar. Ein Programmierer-Kollege sagte mal, er hätte noch nie ein Diff-Programm gebraucht. Das machte ihn mir ehrlich gesagt in fachlicher Hinsicht suspekt. Ich habe mich also nach einem Programm für solch einen Vergleich („diff“) umgeschaut und bin auf Kdiff3 gestoßen. Das gab es allerdings noch nicht für Debian. Damit war meine Aufgabe geboren: Ich habe ein Debian-Paket für Kdiff3 geschnürt.

Denjenigen, die sich unter „diff“ nichts vorstellen können, sagt das Bildschirmfoto wohl mehr als tausend Worte. Man hat zwei Versionen eines Texts und will die Unterschiede finden. Kdiff3 zeigt einem, welche Zeilen unterschiedlich sind, und auch, was konkret sich innerhalb der Zeilen unterscheidet. Das wird gerne für Quellcode verwendet – Welche Änderung könnte dafür gesorgt haben, dass das Programm nicht mehr läuft? Was hat mein Kollege da schon wieder angestellt? -, kann aber bei Texten jeder Art eingesetzt werden.

Kdiff3 kann sogar drei verschiedene Versionen einer Datei vergleichen. Das ist von großem Vorteil, wenn zwei Leute denselben Text verändert haben. Vielleicht hat einer oben einen Satz hinzugefügt und einer unten ein Komma gestrichen, dann könnte Kdiff3 dank der Vergleichsversion sogar automatisch beide Änderungen erkennen, sie verbinden („mergen“) und das Ergebnis in eine Datei speichern, die die Änderungen vereint.

Ich habe dann einen „Mentor“ gesucht und gefunden, der Debian-Entwickler war und daher mein Programm-Paket hochladen durfte. Im Juni 2006 habe ich mich schließlich selbst als Debian-Entwickler beworben. Es folgte eine Prüfungsphase, in der mir per E-Mail Fragen gestellt und schwierige Aufgaben vorgelegt wurden und die sich über mehrere Monate hinzog. Seit März 2007 bin ich nun stolzer Debian-Entwickler.

Als ich diese Geschichte damals erzählt habe, fragten mich mehrere, ob ich für die Prüfung bezahlt hätte. Nein, keine Sorge… Ich habe mich da von niemandem über’s Ohr hauen lassen. Debian ist ein Projekt, das von vielen Freiwilligen getragen wird. Der Prüfer bekommt kein Geld, und der Prüfling bezahlt auch nichts. Man weist nur seine Eignung zur Mitarbeit nach und verspricht, Debians Prinzipien zu unterstützen.

Später ist mir noch die Verantwortung für ein weiteres Paket zugefallen, kshutdown. Ein Programm, das einem verschiedene Optionen zum Herunterfahren des Rechners bietet, zum Beispiel zeitgesteuert oder sobald ein Programm sich beendet hat. Ich verbringe aber nicht meine Wochenenden mit Arbeit für Debian. Meine beiden Programm-Pakete (von vielleicht 35.000) sind anspruchslos.

Aber… Ich bin dabei.

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