Early Access richtig gemacht: Besiege

Ich habe zum ersten Mal ein Spiel im Early Access gekauft: Besiege. Jetzt hab ich was über Besiege zu erzählen – und über Early Access.

Besiege - vorher

Early Access

Spieleentwickler haben ein Problem. Sie entwickeln lange, teilweise jahrelang, an einem Spiel. Zur Veröffentlichung setzt dann (hof­fent­lich) der Geldstrom ein, nur um dann so langsam wieder zu ver­sie­gen. Die Entwicklung müssen sie erstmal selbst finanzieren.

Um regelmäßiger Geld einzunehmen, haben sich verschiedene Mo­delle entwickelt: Damit der Geldstrom nicht so schnell versiegt, wer­den Erwei­terungen („DLC“) und Abos dafür („Season Pass“) ver­öffent­licht, oder das Spiel erscheint in Episoden, muss aber häufig trotz­dem von Anfang an komplett bezahlt werden. Um früher an das Geld der Spieler zu kommen, werden Anreize für Vor­be­stellungen geschaffen, man ver­öffent­licht das Spiel unfertig („Early Access“) oder sammelt schon vor der Umsetzung Geld (Kickstarter und co).

Ich will kein Geld für Versprechen fremder Leute ausgeben – selbst wenn sie Helden der Computerspiel-Geschichte sind. Daher habe ich mich zum größten Teil geweigert, Geld auszugeben, bevor das Spiel veröffentlicht war. Eine Ausnahme war The Talos Principle, weil es dafür schon eine überzeugende, voll funktionsfähige Demo (und eben interessante Vorbestell-Anreize…) gab. Und nun zum ersten Mal ein Spiel im Early Access.

… richtig gemacht…

Ein bekanntes Beispiel dafür, wie man Early Access nicht macht, ist „Spacebase DF-9 vom Helden der Computerspiel-Geschichte Tim Schafer. Es kostete von Anfang an den vollen Preis. Man bezahlte so für ein detailliert ausgearbeitetes Versprechen, was das Spiel später bieten sollte. Doch eines Tages wurde es eingestellt mit der Be­grün­dung, dass im Early Access nicht genug Geld für die Ent­wick­lung eingenommen würde. Der Quellcode soll freigegeben werden – die Spieler könnten sich die versprochenen Features dann ja selbst ein­bauen. Das Versprechen, für das die Spieler bezahlt hatten, wurde gebrochen.

Besiege hingegen wird zu einem Preis verkauft, den der aktuelle Stand des Spiels recht­fertigt. Im Laufe der Zeit steigt also der Preis. Man bezahlt so nicht für ein Ver­sprechen, sondern für den Spiel­spaß, den man direkt bekommen kann. Die Möglichkeit, dass das Spiel weiter wächst, ist nur die Sahne auf dem Kuchen. Derzeit kann man für den Preis einer Kinokarte, sieben Euro, schon einige (bis viele) Stunden Spaß haben.

 Besiege

Und was ist das nun für ein Spiel? Man könnte es als Lego Technic mit Waffen beschreiben. In der (noch nicht sehr umfang­reichen) Kam­pa­g­ne bekommt der Spieler eine Aufgabe präsentiert – zerstöre dieses, töte jene, transportier das – sowie einen einzelnen Baustein, der in einem kubischen Bauplatz schwebt. Um diesen Stein herum muss er nun einen Apparat bauen, der die gestellte Aufgabe erfüllen kann. Dabei hat man beliebig viele Bausteine zur Verfügung, muss aber innerhalb des Bauplatzes bleiben.

Besiege stacheligIm Technik-Baukasten gibt es Holz­blöcke, Stä­be, Plan­ken, Klam­mern, Klappen, Dreh- und Kugel­ge­lenke, kleine Räder, große Räder, An­triebs­­räder, Zahn­­räder, Steuer…vor­­richtungen, Ent­koppler, Federn, Greifer und mehr, in der Waffen­ab­teilung Klingen, Kreis­sägen, Dor­nen, Kanonen, Flammen­werfer, Bomben, Flammen­bälle, Felsen und Pflüge. Und dann gibt es noch einen Bereich für Flug­geräte, die ich noch gar nicht erforscht habe, und Metallplatten zur Panzerung. Das Spiel ist übrigens komplett auf Englisch. Und wer weiß schon, was ein „swivel joint“ ist? Vielleicht sollte mal jemand eine Über­set­zungs­tabelle ins Netz stellen…

Nachtrag: Gesagt, getan – hier ist die Übersetzungstabelle. Und ein paar Dinge, die man wissen sollte.

Wenn man mit seiner Maschine zufrieden ist, startet man den Echt­zeit­teil des Spiels. Die Ma­schi­ne startet, klappt, schwingt, fährt, schießt, spießt und spuckt Feuer, und wenn es Gegner gibt, kommen Fußsoldaten planlos auf den Angreifer zu­ge­rannt, während sich Bogenschützen im Hintergrund halten und die Maschine mit ihren Pfeilen beschädigen.

Besiege - explodiert

Die Optik ist, man sieht es an den Bildschirmfotos, ungewöhnlich. Sie ist fast auf das Nötigste beschränkt: die Maschine, das Ziel, ein klein bisschen drumrum – und eine endlose gräuliche Ebene. Das wirkt überraschend stimmig. Ich vermute ja, dieser Anblick ist im Laufe der Modellierung eines 3D-Spiels nicht selten. Die Macher von Besiege waren anscheinend die ersten, die sich dachten, das sieht doch gar nicht schlecht aus.  Ich frage mich, wieviele Spiele­pro­grammierer schon vor einer solchen unfertigen Umgebung gesessen haben und sich nun denken, sie hätten es einfach mal so ver­öf­fent­li­chen sollen…

„Besiege“ heißt übrigens nicht, dass man jemanden besiegen soll, sondern bedeutet „belagern“ und spricht sich Bisiedsch (/bɪˈsiːdʒ/). Das Spiel, erhältlich für Linux, Mac und Windows, ist schon jetzt ein unter­halt­samer Bau­kasten, der einen leicht ein paar Stunden beschäf­tigen kann. Wer Spaß am Basteln hat und vielleicht seine Krea­tionen ver­öffent­lichen will, kann auch deutlich länger damit beschäf­tigt sein. Der der­zeitige Preis ist sieben Euro.

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