Warum ich… nun auch ein Smartphone habe

Mein Beitrag von 2014 darüber, warum ich noch kein Smart­phone habe, ist einer der Dauerbrenner meines Blogs. Er hat 150 Leser pro Monat, mit Such­an­fragen von „welche menschen brauchen kein smart­­phone?“ über „wie erkläre ich älteren menschen wofür ein smart­­phone ist“ bis hin zu „ich will kein smart­phone“ . Es ist auch der meistkommentierte deutschsprachige Beitrag hier.

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Ich bin versucht zu schreiben, dass ich bis vor kurzem „durch­ge­hal­ten habe“. Aber… wie das klingt… Ist man einem Druck ausgesetzt, sich ein Produkt zu kaufen? Ja, ist man.

Meine Tante hat mich bei einer Familienfeier gefragt, was ich für ein Handy habe. (Gerade bei einem Informatiker scheinen die Leute da ja dolle Dinge zu erwarten.) Als ich mein Sony-Dumb­phone, das W200i, gezeigt habe, war das Gelächter groß. Aber dann hat sie ge­sagt, ich solle mal zeigen, was ich wirklich für ein Handy habe. Und ich musste ihr erklären, dass das wirklich mein einziges Handy ist.

Es wird also sozialer Druck ausgeübt. Die Menschen reagieren un­gläubig und verständnislos darauf, wenn man kein Smartphone hat. Aber damit komme ich klar. Bin ich halt anders als andere, in dieser Beziehung. Sind wir nicht alle total individuell, heutzutage…?

Ich habe weiterhin ab und zu Leute gefragt, wofür sie ein Smart­phone haben. Viele schienen die Frage kaum zu verstehen. Manche fanden sie seltsam oder lustig. Wenige hatten interessante Ant­wor­ten. Ein Kollege meinte, man kann un­ter­wegs nachschauen, wie man weiter­kommt, wenn der öffent­liche Personennahverkehr mal wie­der nicht rund läuft. Da musste ich ihm Recht geben. Seine Reaktion hat mich überrascht: Er hatte wohl er­wartet, wenn ich erst irgend­einen Nutzen an einem Smartphone erkannt hätte, würde ich mir sofort eins be­sor­gen.

Nun ist es ja nicht so, dass ich nicht bemerkt hätte, dass ein Smart­phone gelegentlich nützlich sein kann. Sowohl Internet unterwegs als auch eine Kamera, die man ständig bei sich hat, können nett sein. Es hat mich aber nicht überzeugt, dafür ein paar hundert Euro ge­schwei­ge denn ein Abo für mobiles Internet zu bezahlen. Außerdem, und das fehlt in meinem alten Artikel gänzlich, gibt es auch ein Argu­ment gegen Smartphones: Man macht sich damit schnell über­wach­bar, wie es sich der Große Bruder aus „1984“ nur in seinen feuchten Träu­men vorstellen könnte. Ich musste den Kollegen daher ent­täuschen: In seltenen Fällen eventuell nützlich zu sein, das reichte mir nicht.

Aber was hat mich nun überzeugt? Neutral formuliert waren es die neuen Kommunikationsmöglichkeiten.

Ein guter Freund hat sich beklagt, dass ich nur per SMS erreichbar bin, nicht per Messenger. Ich habe ihn gefragt, wie viel ihn die paar Nach­richten pro Monat denn kosten würden, wo man doch SMS heut­zu­tage bei Handy-Verträgen hinterhergeschmissen bekommt (eben weil sie immer weniger ver­wen­det werden). Er wusste es nicht mal. Er fand SMS einfach zu um­ständ­lich. (Heute weiß ich, dass sich mit dem Pro­gramm zum SMS Versenden auf einem Smartphone auch nicht schwe­rer Nachrichten schreiben lässt als mit anderen Messen­gern.)

Eine Freundin, mit der ich auf Facebook schreibe, wollte ich in einer selbst auferlegten Facebook-freien Zeit auch erreichen. Ich habe ihr Mails geschrieben. Es ist nicht so, dass sie sie ihren Mailaccount nicht benutzen könnte, aber tatsächlich geschrieben hat sie trotz­dem praktisch nicht mehr.

Einen anderen Freund habe ich nach einigen nicht zustande­ge­kom­menen Verabredungen gefragt, ob er sich eher mal ge­mel­det hätte, wenn ich WhatsApp hätte. Er hat zwar nicht ja, aber halt auch nicht nein gesagt.

Ich habe angefangen, mich zu fühlen, wie es in diesem bezeichnenden Kommentar zum Ausdruck kommt: Man hat zunehmend den Ein­druck, dass die anderen verlernen, mit einem mit den zahlreichen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten (Sprechen, Anrufen, Anruf­be­ant­worter, E-Mail, Face­book, …) tatsächlich zu kommunizieren. Bist du nicht bei WhatsApp, bekommst du im Zweifel halt keine Nach­richt. Ein Kol­le­ge sagte das auch ausdrücklich, als ich ihm gesagt habe, dass ich kein Smartphone habe: Ich würde mich also selbst gesell­schaft­lich iso­lie­ren.

Auch die Gruppenkommunikation wird zunehmend über WhatsApp betrieben. Als meine tollste Frau vonne Welt mit ihrer Wei­ter­bildung angefangen hat, wurde sofort eine WhatsApp-Gruppe gegründet. Sie kann daran nicht teilnehmen. Ob nun eine Stunde oder eine Prüfung verlegt wurde, erfährt sie häufig nicht. Fotos von Unter­richts­mate­ri­a­lien kommen bei ihr nicht an. Verabredungen zum Lernen gehen an ihr vorbei. Und mein Lieblings-Radiomoderator, Tommy Wosch, er­zählte neulich von der WhatsApp-Gruppe, die die Eltern der Klasse seiner Tochter verbindet. Auch da wären meine Frau und ich außen vor.

Der Tropfen zum Fassüberlauf war dann, als eine ältere Dame in  der S-Bahn ihrer Begleiterin erzählt hat, dass ihr Smartphone kaputt­gegangen ist. Sie schob gleich nach, dass sie sich direkt Ersatz be­schaf­fen werde – die Leute hätten ja verlernt, ohne Smartphone zu kommunizieren. Ja, das Gefühl habe ich auch. Ich habe mir nun eins gekauft.

… aber ein bisschen schade ist es schon um den Sonderstatus als Smartphone-„Verweigerer“. Aber meine tollste Frau vonne Welt hat ihn noch.

Nachtrag: Zur Auswahl und zur Anwendung.

14 Gedanken zu „Warum ich… nun auch ein Smartphone habe“

  1. Hallo Eike,
    lustiger Blog, gefällt mir. Wahrscheinlich auch deswegen, weil es mir genauso erging wie Dir.
    Vermutlich hätte ich mir nie ein Smartphone zugelegt, bei mir war es eher Zufall, daß ich eines Tages auch eines hatte. Meine Mutter hatte mal einen Vertrag abgeschlossen und nach zwei Jahren, als er auslief und verlängert wurde, hat ihr Anbieter ihr ein Samsung Galaxy S4 Mini als Treue-Geschenk zugeschickt. Sie war aber mit ihrem großen Galaxy S4 zufrieden, wußte nicht, was sie mit dem Mini anstellen soll, und hat es eben mir in die Hand gedrückt. So kam ich 2015 auch zu einem Smartphone, habe dann einen günstigen Vertrag abgeschlossen und gehörte dann auch zur Streichel-Phone-Fraktion.
    Zuvor hatte ich ein Motorola KRZR K1 Klapphandy. Es hat mir eigentlich gereicht. Man konnte telefonieren und SMS verschicken, was mir am wichtigsten war. Es hat auch Features wie Wecker, was im Urlaub auch ganz praktisch sein kann. Nun aber hielt ich ein Wundergerät in der Hand, mit dem man auch ins Internet kann, jederzeit und überall – sofern eben Empfang da ist. Und ehrlich gesagt, praktisch ist es schon, wenn man zum Beispiel kurz mal schauen kann, wie das Wetter wird. Oder wenn man mit dem Auto unterwegs ist und mit Hilfe einer App nachschauen kann, wo in der Nähe günstiges tanken möglich ist. Und mit der Kamera kann man auch nette Schnappschüsse unterwegs machen, schließlich hat man ja nicht immer eine Digicam oder dergleichen dabei. Und die Bildqualität der Smartphone-Cam reicht dafür auch meist aus.
    Natürlich hatte ich auch WhatsApp, Facebook und den zugehörigen Messenger drauf, man wollte ja schließlich dazugehören :-) Aber nicht für lange Zeit. Über WhatsApp kamen eher selten wichtige Infos, sondern mehr lustige Bildchen und sonstiger Müll. Eines Tages habe ich mich von alle dem getrennt. Auf Facebook bin ich mittlerweile schon lange nicht mehr und WhatsApp war auch schnell deinstalliert.
    Mit der Zeit war es auch so, daß man sich Angewohnheiten aneignete, über die man sich eines Tages entweder gewundert oder geärgert hat. Immer, bevor ich morgens zur Arbeit ging, nahm ich das Smartphone und schaute nach, wie das Wetter wird. Irgendwann dachte ich „Mach’s doch so wie früher, schau doch einfach mal aus dem Fenster, um zu wissen, ob du einen Regenschirm brauchst oder nicht“ – was eigentlich auch überflüssig war, denn ich habe ohnehin einen Knirps-Schirm im Rucksack für Notfälle. Oder man checkt mehrmals am Tag seine E-Mails, wobei es eigentlich abends nach Feierabend daheim auch reichen würde. An einem Tag erhielt ich mittags eine unerfreuliche Mail, über die ich mich dann den ganzen Tag über aufgeregt habe – es hätte ja auch gereicht, wenn ich mich nur abends geärgert hätte…
    Irgendwann kam der Tag, an dem ich mein Smartphone weniger für das nutzte, was ich einst so cool fand, ich war wenig im Internet (man kann ja nachschauen wieviel MB man über das Mobilnetz gezogen hat, und da kam ich manchmal auf gerade mal 2 MB, einmal sogar 0 MB) und nutzte es wirklich nur noch für Telefonate und SMS. Da habe ich mich dann auch gefragt, wofür ich es eigentlich noch brauche. Ich drückte monatlich einen Betrag X ab, damit ich 100 Freiminuten hatte und im Netz surfen konnte. Und eigentlich telefoniere ich mobil so wenig, daß es sich nicht lohnte. Also kündigte ich meinen Vertrag bzw. wandelte ihn in einen ohne Grundgebühr um, bei dem ich dafür pro Minute Telefonat bzw. pro SMS ein paar Cent zahle, holte die SIM-Karte aus dem Smartphone heraus, kramte mein altes Motorola aus der Schublade und legte dafür das Smartphone herein. Finanziell hat sich der Umstieg gelohnt, mittlerweile habe ich Rechnungen von 0 EUro bis knapp 2 Euro im Monat (in der Regel komme ich aber im Schnitt auf 50 bis 60 Cent im Monat) und bin trotzdem erreichbar. Was ich an meinem ollen Motorola toll finde: Ich lade das Gerät auf und es hält mal mindestens eine Woche, mein Samsung mußte ich gegen Ende täglich aufladen, außer ich schaltete Mobile Daten, W-Lan, Bluetooth und alles mögliche aus, dann hielt es volle zwei Tage – wow!
    Die Erfahrung mit der „sozialen Isolation“ habe ich auch gemacht. Es scheint so zu sein, daß man nicht mehr existiert, wenn man nicht über Facebook oder WhatsApp erreichbar ist. Aber das ist nicht schlimm, denn meine wirklichen Freunde wissen, daß man mich auch über Festnetz und E-Mail super erreichen kann.
    Neulich war ich auch auf einem Treffen mit alten Schulfreunden. Zwischendurch habe ich auch mein altes Klapphandy herausgezogen… nach dem Gelächter bekam ich dann zu hören „Flo, heute streicht man über sein Handy, man tippt nicht mehr auf Tasten herum…“. Also man fällt schon auf, wenn man mit so einem ollen Ding unterwegs ist, aber das stört mich nicht wirklich. Aber es kam auch das Argument „Du bist doch Informatiker, wie kannst du da mit sowas noch rumrennen…?“. Vielleicht gerade deswegen, weil ich Informatiker bin, mich tagtäglich mit dem neuesten Zeug auseinandersetze, und es vielleicht nach Feierabend ein wenig „rustikaler“ haben möchte. Ich fahre auch einmal im Jahr für ein paar Tage nach Niederbayern ins allerletzte Kaff in eine sehr einfache Pension, um ein paar Tage ohne die ganze alltäglich gewordene Technik zu leben, um einfach mal zu wandern oder mir Sehenswürdigkeiten anzusehen. Heutzutage gibt es ja einen Begriff dafür, nennt sich „Digital Detox“. Ob man’s braucht, muß jeder für sich selbst entscheiden. Ich für meinen Teil finde es eigentlich auch mal ganz entspannend für ein paar Tage keine E-Mails zu empfangen und ohne Internet zu leben. Und für Notfälle kann man mich ja immer noch anrufen.
    Zugegeben: Manchmal überlege ich mir schon, ob ich wieder ins Smartphone-Zeitalter zurückkehre, dazumal es mittlerweile echt günstige Angebote gibt. Es gibt auch viele Gründe, die dafür sprechen, es zu tun. Es kann nützlich sein, Internetzugang zu haben, wenn man unterwegs ist und spontan ein Hotel in der suchen möchte. Oder man ist in einer großen Stadt unterwegs, in der man sich null auskennt und kurz mal die Navi-App zu Rate ziehen kann, schließlich will man sich ja nicht immer eine Stadtplan kaufen. Oder man fährt mit dem Fahrrad eine größere Tour und eine Warn-Wetter-App sagt einem „Vorsicht, Gewitter im Anmarsch, such dir einen sicheren Ort“. Was man auch bedenken muß: Eines Tages wird es das GSM-Mobilfunknetz nicht mehr geben, in der Schweiz wird man zum Beispiel ab 2021 nur noch UMTS- bzw. LTE-Signale empfangen. Mit meinem 2G-tauglichen Motorola werde ich dort nicht mehr telefonieren können (nebenbei gesagt werde ich dort auch mit meinem Autoradio nicht mehr Musik hören können, weil ja auch das Analog-Radio abgeschalten wird – und mein Autoradio empfängt leider kein DAB+). Einzige Ausweichmöglichkeit wäre, ein 4G-taugliches Featurephone zu kaufen, wenn man schon kein Smartphone will.
    Andererseits denke ich an die viele Werbung, die man mit den kostenlosen Apps eben ertragen muß und die ich als ziemlich nervig empfand. Das hält mich wiederrum davon ab zurück zum Smartphone zu gehen. Auch empfinde ich die Dinger als etwas sperrig. Das Samsung Galaxy S4 Mini geht vom Format noch, dafür ist das kleine Display (4,3″) zum Surfen im Internet etwas mühsam zu bedienen, größere Modelle nehmen dafür mehr Platz in der Hosentasche weg. Und eine Gürteltasche kommt für mich nicht in Frage.
    Auch wenn das stellenweise so klingen mag, ein Smartphone-Gegner bin ich nicht, die Dinger sind nützlich und haben somit durchaus ihre Berechtigung. Es ist aber manchmal nervig, wenn man sieht, daß viele Leute mittlerweile recht abhängig von diesen Geräten sind. Man unterhält sich mit einem, es macht auf einmal „Beep“, und dann kann man schon aufhören zu reden, weil der Gegenüber sich erstmal ein paar Sekunden oder Minuten mit seinem Smartphone beschäftigt und ohnehin nicht mehr zuhört. Ist aber Gott sei Dank nicht bei allen so.
    Grundsätzlich gibt es aber vermutlich kein richtig oder falsch, was den Besitz oder die Verweigerung von Smartphones angeht. Muß ja eh jeder selber für sich entscheiden. Und ich muß immer wieder grinsen wenn Leute sagen „Boah, die Jugend von heute… sitzt nur rum und whatsAppt exzessiv… diese doofen Smartphones sind an allem schuld“. Eigentlich ist es doch kein wesentlicher Unterschied zu vor 10 oder 15 Jahren – damals saß die Jugend da und tippte fleißig SMS. Also wenn, dann müßte man ja schon die komplette mobile Telefonie verteufeln, das wäre wenigstens konsequent :-)

  2. Ehrlich gesagt entzieht es sich immer noch meinem Verständnis, wie man aus so einer banalen Sache, wie dem Besitz eines Mobiltelefons, mit Internetzugang, so eine riesen Sache machen kann.
    Bei manchen Menschen, auch beim Autor wie ich leider sagen muss, klingt es beinahe wie die Vorbereitung einer Mondlandung.

    Die Technik ist doch nun wirklich nicht mehr neu, oder irgendwie besonders.
    Niedlich finde ich dagegen immer noch die „Wanzen“,- oder „Ich poste doch nicht alles auf Facebook“ Rufer, die scheinbar davon ausgehen, dass dies quasi Pflicht ist, oder dazu gehören muss.
    Und dann wäre da noch die „Ich habe einen PC zu Hause und schecke 3x im Jahr meine Mails“ Fraktion.
    Das ist super für euch, aber welche Relevanz hat das für alle anderen?

    Am schlimmsten aber finde ich die Menschen, die aus der Nichtbenutzung eines S-Phones ableiten, die besseren Menschen zu sein.
    Smartphones sind profane Gegenstände, aus Glas und Metall, die man vollständig kontrollieren und nach seinen Wünschen benutzen kann.
    Niemand wird dazu gezwungen, irgendwelche Dienste zu nutzen, oder auch nur das Internet einzuschalten.
    Und, man glaubt es kaum: Man kann sie sogar abschalten.

    1. Findest du es nicht interessant, dass Menschen Gegenstände besitzen, dafür 200, 500, 800 Euro ausgeben (ob nun direkt oder über einen Abo-Vertrag), und an der Frage, warum sie diese Gegenstände besitzen, scheitern? Weil sei entweder keine oder keine vernünftige Antwort haben (Nein, die haben nicht wirklich ein Smartphone gekauft, um gelegentlich einen Wetterbericht zu bekommen.) – oder die Frage erst gar nicht verstehen?

  3. Mich würde interessieren, ob nach dem Facebook-Skandal (der ja wohl nur mit Hilfe eines sog. Whistleblower ins Rollen kam, was bedeutet, dass es reihenweise nicht bekannte Skandale dieser Art geben kann) die lange zögerlichen Benutzer von Funktelefonen mit Internetzugang, auch Wanzen genannt, wieder reumütig davon Abstand nehmen.

    1. Wer nennt die Wanzen?

      Ich habe jedenfalls nicht Abstand genommen. Ich habe aber auch meine SIM-Karte anonym gekauft, bezahle die Gebühren anonym und betreibe meinen tragbaren Android-Computer ohne Google-Account. (Mir ist klar, dass das keine hundertprozentige Anonymität gewährleistet.)

      Übrigens, wenn man Angst vorm Abhören hat („Wanze“) – auch Telefone ohne Internetzugang haben Mikrophone eingebaut. Und nicht nur Telefone…

      1. „Wanzen“ nennen sie die Leute, die glauben, sie wären so viel schlauer als andere, oder irgendwie etwas besonderes, weil sie sich neuer Technologie verweigern.
        Es sind auch jene, die sich nicht vorstellen können, dass man ein Smartphone auch betreiben kann, ohne einen Facebook, oder Twitter Account zu besitzen.
        Achten Sie mal drauf. Das häufigst angeführte Argument, contra Benutzung geht in etwas so: „Ich bin keiner der ständig auf Facebook posten muss, was er gerade tut.“
        Als wäre das quasi Pflicht, wenn man ein Smartphone besitzt.

  4. Ich habe und will kein mobiles Teil, auch kein Handy – der Laptop bleibt stationär zuhause. Es ist unendlich mühsam geworden, den Leuten zu erklären, dass Züge Verspätung haben können, aber dass es durch einen Anruf ja auch nicht schneller gehen würde und man eh nicht wüsste, wie lang der Aufschub dauert. Man wird längst diskriminiert, indem man etwa oftmals kein Online-Konto eröffnen kann und horrende Gebühren für Papierrechnungen berappen muss (aber das ist noch lange billiger als ein Smartphone). Lieber kaufe ich mir von dem Geld ungefähr 100 Taschenbücher… Ein Botschaftsangestellter hat mir an der Eingangskontrolle einmal eine Tasche aufgeschnitten, weil er nicht glaubte, dass es wirklich Leute ohne so ein Teil gibt. Manche gurken einen auch an, man solle doch googeln, wenn man eine Frage stellt oder nach dem Weg fragt.
    Ich bleibe stur bei meiner alten Konzentration (nutze keine social media und checke Mails 2-3x täglich, nicht am Wochenende, nicht im Urlaub), denn als Geistesarbeiter bin ich auf die Erhaltung meiner Intelligenz angewiesen. Auch auf dem einst selbstverständlichen Anstand bestehe ich. Wenn jemand mir gegenübersitzt und seinen Hirnersatz eingeschaltet vor sich auf den Tisch legt, oder plötzlich mit der Luft redet statt mit mir, stehe ich auf und gehe.
    Entweder wird uns das Deppenphone demnächst von oben obligatorisch aufgezwungen zur besseren Überwachung und Manipulation, oder die Menschheit erholt sich bald von diesem grotesken Unsinn.
    Ja, schon schade, dass wir immer weniger werden, inzwischen bräuchten wir eigentlich schon schier eine Lobby. Aber jeder muss selber wissen, wieviel Quatsch er erträgt.

    1. Sehr nett, alle Leute die mit inzwischen ganz normaler Technologie verantwortungsvoll und mittlerweile auch oft beruflich, ganz normal umgehen, als Deppen zu bezeichnen.
      Gegen die unterschwellig mitschwingende Angst, zum Opfer finsterer Mächte zu werden, die ihm geheimen Ihr 0815 Leben ins Visier genommen haben, kann man etwas tun.
      Und zwischen „Ich bin ein Smombie“ und „Ich rühre das Teufelszeug niemals an“ gibt es noch einige hundert Abstufungen.
      Bei manchen Menschen kommt mir die Geschichte langsam ähnlich vor wie damals mit der Eisenbahn.
      Da gab es auch einige die glaubten, bei Geschwindigkeiten über 60 km/h würde der Körper platzen.

  5. Ich habe Ihre zwei Posts zum Thema gelesen und finde es schade, dass Sie schließlich „aufgegeben“ haben. Weil ich Angst habe, dass es mir bald ebenso gehen wird, obwohl ich immer wieder denke, dass ich kein Smartphone brauche. Mit meinem Nokia-Klapphandy kann ich online gehen, wenn ich unterwegs wirklich unbedingt ein Fußballergebnis oder andere Info brauche (und wenn ich mich irgendwo nicht auskenne, nehme ich einen Stadtplan mit oder achte auf öffentliche Wegweiser/Straßenschilder). Aber es ist scheinbar wirklich so, dass man sich damit sozial isoliert, speziell in meiner Altersgruppe (ich bin 28). Auch wenn ich ohnehin nur wenige Freunde habe und mit diesen bislang ganz gut über Facebook oder E-Mail kommunizieren konnte, erleichtert es nicht das Knüpfen neuer Freundschaften, wenn man kein WhatsApp hat. Gerade das Organisieren von Gruppenaktivitäten läuft heutzutage nur noch darüber. Aber ich will nicht zu dieser Masse von Leuten gehören, die nur noch auf ihr Handy starren und sich wie amputiert fühlen, wenn sie es vergessen haben. Außerdem bin ich der Ansicht, dass die meisten viel zu viel Zeit mit irgendwelchen Apps und Spielen verbringen und nicht einmal eine Minute (z. B. während des Wartens auf die Bahn) ohne etwas zu tun aushalten, beängstigend. Also mal sehen, wie lange ich noch der Exot ohne Smartphone bleibe.

    1. Eigentlich hat man es ja selbst in der Hand, wie man dann mit dem Smartphone umgeht. Ich ertappe mich aber auch dabei, dass ich in Bus und Bahn oder auch zu Fuß noch aufs Smartphone schaue, obwohl ich zu Hause einen PC habe und auf der Arbeit auch mal ins Netz kucken kann. Also… die Sorge ist vielleicht nicht unbegründet. Heute hab ich in der S-Bahn, ein (Papier-)Magazin lesend, zwischen zwei Zeitungslesern gesessen. Aber das ist mir natürlich auch nur aufgefallen, weil es die Ausnahme ist. Es hilft einem allerdings auch nicht weiter, eisern zu bleiben, wenn man wirklich merkt, dass es sich negativ auf das Sozialleben auswirkt. Sozialleben ist wichtig. PS: Dein Kommentar war leider im Spamverdachtsordner gelandet.

      1. Und was genau ist jetzt so schlimm daran, wenn man in der Bahn auf das Phone schaut?
        Wo lauern die Gefahren? Ich tue das auch oft. Meistens stecke ich die Nase aber unterwegs in ein Buch.
        Da bin ich auch nicht empfänglich für Signale von außen, wirke auf andere abweisend und bin völlig in eine andere Welt versunken, fernab der Realität.
        Seltsamerweise würde aber niemand auf die Idee kommen, Angst um mich zu haben, dass ich mich darin verlieren könnte und das es schädlich ist,
        Übrigens gab es diese Befürchtungen, als der Buchdruck erfunden wurde.
        Kommunikation verändert sich. Und ob ich nun eine SMS auf einem T9 Phone tippe, oder in Whatsapp.
        Wo soll da der Unterschied sein? Wo ist der Unterschied, ob ich eine Mail zu Hause lese, oder am Telefon?
        Warum besteht bei letzterem die Gefahr, dass mich diese EMail krank macht, aber am heimischen PC ist alles in Butter?

        1. Den Unterschied zum gelegentlichen Mail Checken am PC finde ich offensichtlich: Mit dem Smartphone fehlt die Zwangspause. Klar gibt es Leute, die sich da unter Kontrolle haben – aber eben auch viele, die das nicht haben.

          Und dann gibt es auch die wachsenden Ansprüche. Letztens habe ich mit einem Freund abends zusammengesessen, und er hat schnell nochmal nach Arbeitsmails gekuckt. Das ginge ohne Smartphone nicht, und damit fiele gleichzeitig auch der Druck dazu weg.

  6. Ich habe mir vor einem Jahr dann auch mal ein Smartphone zugelegt (das billigste, was ich kriegen konnte ;)). Um Internetzugang (unterwegs – zu Hause komme ich schon ins Netz, schalte das WLAN aber nur so einmal monatlich an …) habe ich mich allerdings bis heute nicht gekümmert, war mir wohl nicht so wichtig – die Kamera hab ich aber schon ein-, zweimal genutzt.

    Was mich wirklich nervt: Ich organisiere ab und an kleine Veranstaltungen. Früher habe ich für Terminankündigungen eine Mail rumgeschickt und alle erreicht (Telefonieren hasse ich, daher halte ich Mails für einen Segen ;)). Heute schicke ich den einen den Newsletter per Mail, den anderen eine SMS, wieder anderen eine WhatsApp-Nachricht, andere boykottieren WhatsApp inzwischen und bevorzugen andere Messenger, ganz andere erreicht man nur per Telefon, für manche schauen nur ins Forum der Veranstaltung …
    Wenn wenigstens ALLE nur noch per WhatsApp kommunizieren würden, könnte ich damit ja noch leben, aber wenn gefühlt jeder einzelne im Freundes- und Bekanntenkreis eine andere Kommunikationsart bevorzugt (und die anderen Arten ignoriert!), wirds echt stressig.

    Interessant finde ich übrigens, dass viele Leute offenbar das Smartphone als einzigen Internetzugang nutzen und kaum noch den PC/Laptop. Ich meine, das ist doch unpraktisch, so ein kleiner Bildschirm und so eine winzige Tastatur! Für unterwegs, meinetwegen, aber zu Hause? Na ja, ich muss ja nicht alles verstehen …

    1. Ja, Kommunizieren ist mit den neuen Techniken nicht gerade übersichtlicher geworden. In meiner Kindheit hätten unsere Eltern eine Telefonkette gemacht. Heutzutage… Als ich (per SMS) mitgeteilt habe, dass ich nun auch ein Smartphone und dazu eine neue Nummer habe, hatte ich dazugeschrieben: „Wer sich über die Widrigkeiten moderner Kommunikation (oder etwas Anderes) austauschen will, kann das jetzt auch mit den Messengern Signal, Telegram und Whatsapp tun“. (Threema wollte ich nicht auch noch installieren…)

      Das Smartphone als Zugangsgerät zum Internet ist noch eine ganz andere Geschichte. Ich bin überzeugt davon, dass wir in zehn Jahren über diese Geräte lachen werden – viel zu groß für ein Telefon, viel zu kleiner Bildschirm für’s Internet. Man bräuchte etwas zum Aufrollen, oder eine Brille, oder direkt auf die Netzhaut strahlen. Jedenfalls ein kleines Gerät mit viel Sicht-Fläche. So ist das alles noch ein fauler Kompromiss.

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