Wasteland

Wasteland 2, ein Oldschool-Rollenspiel, wird derzeit in einer Beta-​Version für 45 Euro angeboten. Ich bin zwar neugierig darauf, aber soviel wollte ich dann doch nicht ausgeben. Da kam mir die Meldung recht, dass der Hersteller die Übersetzung in einige Sprachen, unter anderem ins Deutsche, per „Crowd Sourcing“ organisiert und man für 250 übersetzte Textstücke (jeweils ein bis wenige Sätze) das Spiel umsonst bekommt.

Das Original-Wasteland

Wasteland ist eine großartige Gelegenheit, mich so richtig alt zu füh­len. Ich habe das erste Wasteland gespielt. Vor über 20 Jahren. An die Geschichte kann ich mich leider nicht mehr erinnern, aber ich weiß noch, wie großartig ich das Coverbild fand. Ich hab das Spiel sogar noch im Schrank, mit allen Zettelchen, die dabei waren, wie einem Upgrade­an­gebot von den damals aktuellen 5¼-​Zoll-​Disketten auf die ultra­modernen 3½-Zoll-Disketten.

Wasteland Cover 2

5¼ Zoll

Für 3½ Zoll würde man sogar noch ein USB-Diskettenlaufwerk bekommen. Bei 5¼“ ist man wohl praktisch aufgeschmissen. Wobei, ich glaube, ich habe noch einen Rechner im Keller, der von einem Format auf das andere kopieren könnte, und wenn ich mir dann so ein USB-Laufwerk kaufen würde…. Doch am Ende brauche ich das zumindest in diesem Fall nicht, das original Wasteland ist in Wasteland 2 enthalten. Aber ich hab da noch mehr im Schrank.

Übersetzung

Ein wenig Sorgen mache ich mir über Qualität und Konsistenz der Übersetzung. Der Hersteller will die abschließende Abnahme von professionellen Übersetzern machen lassen, und das erscheint mir auch dringend geboten. Mindestens einer der freiwilligen Übersetzer ist nicht gerade übermäßig mit Rechtschreib-, Interpunktions- und Übersetzungsfähigkeiten gesegnet, aber leider umso mehr mit Fleiß. Und natürlich können Ergebnisse recht unterschiedlich ausfallen, wenn ein Satz in einem Dialog von dem einen und der nächste von einem anderen übersetzt wird. Was ebenfalls kaum geklappt hat – wohl auch, weil das Glossar-System der Übersetzungswebsite praktisch unbrauchbar ist -, war die frühe Vereinheitlichung von Namen und Begriffen der Spielewelt. Und bei den wenigen Versuchen im Forum fand sich auch nur schwer ein Konsens. Ich frage mich ja, wieviel Geld es sparen mag, wenn am Ende doch Profis alle 24.000 Textschnipsel durchgehen und korrigieren. Oder ob man sich die sorgfältige Nacharbeit sparen wird.

Ich habe erst recht spät von der Übersetzungsaktion erfahren und es waren nur noch ca. 10% der Textchen übrig. Vor allem die längeren und schwierigeren, wie man sich vorstellen kann. Als ich so 320 davon übersetzt hatte, habe ich im Forum gelesen, dass jemand Betrug witterte, weil noch niemand sein Dank-Exemplar bekommen hatte. Und prompt lag am nächsten Morgen der Gutschein im E-Mail-Postfach.

Early Access

Nun habe ich also meine digitale Wasteland-2-Kopie. Doch spielen werde ich sie nicht. Noch nicht. Das Spiel ist derzeit im „Early Access“, als in einem unfertigen Zustand. Immer mehr Spiele werden so früh veröffentlicht. Den Machern bringt das den Vorteil, dass sie schon vor der Fertigstellung Geld verdienen können. Genau wie der zuneh­men­de Verkauf von Inhalten nach der Veröffentlichung, DLCs genannt, sorgt das für einen stetigeren Geldfluss statt einer recht einmaligen Schwemme (wenn überhaupt) zum Verkauf, die dann bald nachlässt. Dafür habe ich Verständnis. Manche Spieler versprechen sich von Early Access, dass sie Spiele zum einen früher kennen als andere und zum anderen vielleicht auch auf ihre Entwicklung Einfluss nehmen können. Das geht mir anders.

Ich will ein Computerspiel als Gesamtkunstwerk erleben, in der finalen Form dessen, was sich der Entwickler dabei gedacht hat. Dabei muss er nicht soweit gehen wie bei Alexander Bruce, dem Macher von Antichamber. Aber ich will nichts Unfertiges und nichts Fehlerhaftes spielen. Ich will auch keinen Teil des Spiels mehrfach spielen, weil nun irgendetwas Neues hinzugekommen ist oder schlicht in der Hoffnung, dass es jetzt endlich funktioniert.

Wasteland 2

Wasteland-2-TitelbildDaher habe ich von Wasteland 2 bis jetzt nur das Titelbild und die Charaktererstellung gesehen. Ach übrigens, das Titelbild… Vor der schönen Zeichnung eines waffenstarrenden mechanischen Skorpions in einer überwucherten Stadt steht rechts unten das Angebot für ein „Red Boot“-DLC für 49,95$. Wenn man draufklickt, erfährt man, dass es zum Glück nur ein Scherz ist. Wohl eine Anspielung auf eines der berüchtigtsten DLCs der Spiele-Geschichte, die Pferderüstung für Oblivion. Und wenn man auf Start klickt, erwacht das zuvor statisch erscheinende Hintergrundbild zum Leben und der Skorpion erhebt sich. Ein Versprechen, dass sich hinter dem Oldschool-Spiel doch etwas mehr verbirgt? Immerhin habe ich satte 14 GB herunter­ge­laden…

Quizfrage

Es gibt nichts zu gewinnen, aber eins würde mich interessieren (die Frage geht nur an die, die es nicht aus Wasteland kennen): Was würdet ihr mit einer Gruppe namens Läderlappen assoziieren?

Nachtrag: Auflösung

„Läderlappen“ soll die Übersetzung von „Leather Jerks“ (Leder-Luschen) sein. „Lappen“ als Wort für Lusche kenne ich ja, und dass man aus den Lederlappen „Läderlappen“ macht, weil in Schweden Batman so heißt – nun gut. Aber was haben die Lederluschen mit Schweden und Batman zu tun? Und vor allem… es ist ja fein, bei der Übersetzung um zwei Ecken zu denken. Aber würde der Spieler, der das Original nicht kennt, um die Ecken wieder zurück zur ursprünglichen Bedeutung finden? Ich bezweifle es…

Ein Gedanke zu „Wasteland“

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