Mallorca – Keine Insel der Ruhe

Letztes Jahr waren wir auf Amrum und ich habe es zu einer Insel der Ruhe erklärt. Anfang Juni war ich mit zwei Freunden auf Mallorca, von vielen Besuchern liebevoll „Malle“ genannt. Es war so ungefähr das Gegenteil einer „Insel der Ruhe“.

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Wir waren in Calla Rajada (häufig, wie man es auch spricht, „Calla Ratjada“ geschrieben). Mallorca wird ja auch gern als 17. Bundesland bezeichnet. In Calla Rajada kann man einen Eindruck bekommen, warum das so ist. In den Hauptstraßen, die zu den Stränden führen, und an der Strandpromenade wird praktisch alles auf Deutsch angepriesen. Die spanische Bezeichnung steht mal gleichberechtigt, mal kleiner und mal auch einfach gar nicht dabei. Wie fühlt man sich wohl als Spanier (Sie gelten ja als stolz…), wenn sich der Heimatort so präsentiert?

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Call Rajada hat wunder­­schö­­nes türkis­­blaues Meer und zumindest im Früh­­sommer sehr, sehr klares Wasser. Selbst in der hintersten Ecke des Hafens kann man Fische sich im Wasser tummeln sehen. Der Hafen nimmt aber auch an einem Umweltprogramm teil und trägt dessen „blaue Flagge“. Den größten Strand, Cala Agulla, haben wir uns nur aus der Ferne angesehen. Eine sehenswerte Ecke, aber der Strand soll der „lebhafteste“ sein, und das brauchten wir nun nicht – jedenfalls nicht den ganzen Tag. Wir haben uns am Strand Son Mol niedergelassen, wo das Publikum gemischt ist und sich die Lärmbelästigung in Grenzen hält. Trotzdem sollte man wohl Teile der Küste von Mallorca höchstens im Winter besuchen, wenn man von „Party-Musik“ leicht genervt ist.

Und da ist noch eine Sache, die einen am Strand nerven kann: die „Promoter“, die Hausierer. Sie gehen von Handtuch zu Handtuch und wollen einem was verkaufen. Eine (Alkohol-)Flatrate hier, billiges Bier dort, eine Bootsfahrt. (Oder auch zwei Discos plus drei Stunden frei Trinken plus ein Werbegeschenk und ein Getränk oder bei Verzicht auf das Werbegeschenk zwei Getränke…) Als Mann, der nicht mehr 20 ist, mit Buch vor der Nase ging es noch, junge Frauen hatten viel abzuwehren. Und es waren in der Mehrheit keine Flirts. Man wird dann auch so angesprochen („Na, wie lange seid ihr schon hier…?“), dass es einem schon unter logischen Gesichtspunkten schwerfällt, einfach „Nein, danke!“ zu sagen. Wobei man den Verkäufern zugute halten kann, dass sie meist freundlich waren. Sonnenbrillen und anderes Spaß-Gedöns wird auch verkauft, seltsamerweise an­­schei­­nend aus­­schließ­­lich von Schwarzen Farbigen Afro- Menschen, die vermutlich selten ins Solarium gehen.

HafenAm Abend kann man von der Mauer, die den Hafen gegen das Meer abgrenzt (und damit wohl Mole und nicht Kai heißt, wie wir gedacht hatten), einen romantischen Blick auf den Hafen genießen, in den belebten Restaurants an der Uferpromenade essen oder in einer Disco oder einem Lokal feiern. Wir haben den „Bier­­brunnen“ besucht, wo es Musik gibt, von der ich außerhalb Mallorcas jederzeit bestreiten würde, dass ich sie kenne. Zum Teil kannte ich sie tatsächlich nicht – wer hätte gedacht, dass es vom „Holzmichl“ nochmal bergab gehen kann? („Ja, steigt denn der Alkoholpegel noch…?“) Um Mitternacht musste das Lokal die Lautstärke beträchtlich reduzieren. Viele sind dann früher oder später in die Discos weitergezogen.

An einem Abend, als wir Zigaretten kaufen wollten, haben wir fest­­ge­­stellt, dass mehrere Supermärktchen von der Polizei geschlossen worden waren. Anscheinend ist der Verkauf von Zigaretten nur in Geschäften erlaubt, die erst ab 18 betreten werden dürfen. Die Läden hatten gegen diese Vorschrift und die gegen Alkoholverkauf nach 24 Uhr verstoßen, wurde uns gesagt. Außerdem haben wir be­­o­­bach­­tet, wie jemandem, der auf der Straße einem Polizisten zugeprostet hatte, mit dem Schlagstock das Glas in der Hand zerschlagen wurde. Es ist wohl verboten, auf der Straße Alkohol zu konsumieren. Trotz­­dem nicht die feine englische…

Ich bin froh, dass wir in der Vorsaison auf Mallorca waren. Die Tem­­pe­­ra­­tu­­ren waren die meiste Zeit optimal, der Strand war nicht immer ruhig, aber ok, die Strandverkäufer waren erträglich und die Parties sind nicht eskaliert. Die Hauptsaison würde ich vielleicht mal für einen Tag und eine Nacht mitmachen, aber mehr davon bräuchte ich nicht. Es war gut, dass die tollste Frau vonne Welt nicht mit­­ge­­fahren ist. Für sie wäre das nichts gewesen.

 

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