Das Ende(*) ist nah!

(*) von Windows XP

The end is nigh

Heute in einem halben Jahr, am 8. April 2014, läuft der Support für Windows XP aus. Das bedeutet, dass ab diesem Tag keine Sicherheitsupdates mehr veröffentlicht werden. Und das bedeutet, dass man Windows XP dann nicht mehr weiter verwenden sollte.

Windows XP

Windows XP war mal ein Segen. Es löste auf der professionellen Seite Windows NT 4 oder Windows 2000 ab und zu Hause Windows 98 (das mich zu Linux getrieben hatte) oder Windows ME (das als ziemlich schlecht galt). Auf beiden Seiten habe ich es als Fortschritt empfunden. Den berüchtigten Blue Screen sah man kaum noch bis gar nicht mehr. Und endlich war die seit langem angekündigte Verschmelzung der profesionellen und der Heim-Linie von Windows gelungen.

Das Hintergrundbild zeigte einen grünen Hügel, der für mich immer aussah, als würden gleich die Teletubbies dahinter hervorspringen (und ich war wohl nicht der einzige mit dieser Assoziation). Ebenso wie die restliche Bonbon-Optik konnte man das aber abschalten.

Windows XP hat(te) natürlich auch seine Fehler. Hat man im Windows Explorer in der Dateiliste die Maustaste geklickt, die Maus zügig über ein Dutzend Dateien gezogen und die Taste wieder losgelassen, zeigte XP in der Statusleiste die Anzahl der markierten Dateien an. Leider war das selten die richtige Zahl. Soweit ich mich erinnere, trat das dann mit Mehrkernprozessoren nicht mehr auf; es mag aber auch ein Patch gewesen sein. Völlig verkorkst war die Volltextsuche. Die folgende Datei wird mit der Suche nach „findmich“ nicht gefunden (außer, sie heißt selbst so):

<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" 
    "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd">
<html>
    <head>
        <title>Titel</title>
    </head>
    <body class="findmich">
        <div>Inhalt</div>
    </body>
</html>

Aber Windows XP war mit Recht erfolgreich. Ursprünglich sollte der Support für die Home-Version nur bis 2009 gehen, sodass schon vor sieben Jahren vom bevorstehenden Ende berichtet wurde. Doch XP war so lange so beliebt, dass Microsoft den Support deutlich verlängert hat. Aber kommendes Jahr ist es dann endgültig vorbei.

Das Ende

Es scheint Leute zu geben, die glauben, dass sie das Ende des Sicherheitssupports nicht betreffe. Hacker würden sich doch gar nicht mehr für Windows XP interessieren. Das ist im besten Fall naiv. Schon jetzt ist XP die gefährdetste Windows-Version. Und es macht Hackern keinerlei Mühe, viele Sicherheitslücken an einem System auszutesten. Das machen die Tools automatisch. Warum sollte der Hacker sein Pro­gramm, wenn es auf Windows XP stößt, nicht darauf ansetzen? Und was ist, wenn die erste Sicherheits­lücke bekannt wird, die dann nicht mehr geschlossen wird? Glaubt irgendjemand, die Hacker würden sie nicht nutzen? Warum nicht – aus Fairness?!? Und die Suche nach der ersten Lücke wird besonders attraktiv sein. Außerdem existieren Lücken, die in neueren Windows-Versionen gefunden werden, nicht selten auch schon in älteren Versionen. Wer dann noch mit Windows XP mit dem Internet verkehrt, der tut das ungeschützt.

Vielleicht will der eine oder andere auch einfach aufgegeben. Dann hat man halt Viren auf dem System… Leute – bitte nicht. Dein System ist mir ja ehrlich gesagt noch egal. Dir sollte es das nicht sein. Vor allem aber werden durch Viren übernommene Rechner häufig missbraucht, um Spam zu versenden oder andere Rechner mit Anfragen zu überfluten („DDOS“-Angriffe). Dann wird dein Rechner zur Waffe gegen meinen. Viren auf deinem Rechner sind daher nicht Privatsache; sie schaden auch anderen.

Wechselstimmung?

Es muss also ein neues Betriebssystem her. Vielleicht hat ja der eine oder andere keine Lust mehr auf eines mit ein­gebautem Verfalls­datum. Mit Linux passiert das nicht – man kann es unbegrenzt auf dem aktuellen Stand halten. Ich tue das jetzt seit 15 Jahren.

Linux ist aber nicht für jeden die richtige Lösung. Man kann damit alles tun, was ich mit meinem Rechner tun will (und mehr): Texte, Tabellen, Präsentationen, Briefe, Diplomarbeit schreiben. Musik hören, auf­nehmen, umkodieren, schneiden, organisieren. Bilder bearbeiten (lassen), organisieren, veröffentlichen. Browsen, mit allem, was es da so gibt: Homebanking, Spiele, soziale Netzwerke, … Chatten, Mails und News lesen. Fernsehen kucken, aufnehmen und schneiden. Ahnenforschen. Programmieren. Neuerdings auch professionelle Spiele spielen. Und garantiert mache ich noch ein paar weitere Sachen und andere noch viel, viel mehr mit Linux. Aber… es kann nicht alles. Es gibt Hardware, deren Hersteller keine Linux-Treiber bieten. Meist unterstützt Linux solche Hardware trotzdem, aber eben nicht immer. Und wer sich auf ein Programm eingeschossen hat, muss sich unter Linux häufig auf ein anderes umstellen.

Trotzdem könnte das Ende von Windows XP ein Anlass sein, mal eine Alternative zu probieren. Mit einer Live-DVD kannst du Linux ganz gefahrlos ausprobieren. Es wird erstmal nichts installiert, das ganze System läuft von der DVD. Wer überzeugt wurde, kann dann direkt die Installation starten. Wer möchte, kann Windows und Linux parallel betreiben. Wenn man mit Windows nicht mehr am Internet ist, spricht dann auch nichts Grundsätzliches dagegen, bei XP zu bleiben. Und wen Linux nicht überzeugt, der nimmt die DVD wieder aus dem Laufwerk, starten den Rechner neu, und alles ist wie vorher. Hier finden sich Abbilder für eine Live-DVD von Debian. Für aktuelle Prozessoren passt dieses (1,2 GB groß).

Wer kein Linux verwenden möchte, wird wohl zu Windows 7 oder 8.1 greifen. Von Windows XP aus gibt es eine Update-Lizenz für ca. 65 Euro. Dann muss man allerdings bei der 32-Bit-Version bleiben (die wenigsten dürften ein 64-Bit-XP haben), was nicht mehr zukunftsweisend ist. Für eine einzelne Lizenz von Windows 8 zahlt man 90 € für die schlichteste und 130 € für die Professional-Variante. Windows 7 kostet, wohl aufgrund seiner Beliebtheit, ähnlich viel. Wir verwenden im Büro inzwischen Windows 7 und bis auf ein paar Macken ist es ok. Windows 8 habe ich noch nie gesehen, das kann ich nicht beurteilen. Vielkritisiert ist ja das fehlende Startmenü. Wobei ich mich schon frage, wie sehr ich das vermissen würde. Verwendet das noch einer regelmäßig, der Windows 7 oder ähnliches hat? So richtig mit Durch­klicken zu den einzelnen Programmen…?

Fazit

Was auch immer du in Zukunft verwendest: Es sollte nicht Windows XP sein.

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