VDR is up and running!

In letzter Zeit hatte ich ja vor allem fleißig Fotos sortiert, aber am Wochenende habe ich mich endlich wieder auf den VDR gestürzt – und das hat erstaunlich gut geklappt!

VDRHardware

Mit dem neuen Gehäuse war das Zusammenschrauben leicht. Da würde sogar eine ellenlange Grafikkarte reinpassen. Und die normale Breite geht eben auch. Auch CPU und Lüfter Einsetzen ist einfacher, als es mal war. Die CPU muss nur eingelegt und mit einem Hebel „festgeschnallt“ werden, der Kühlkörper wird eingeklickt – und die Wärmeleitpaste war auch schon drauf. Meine Idee allerdings, die CPU ohne Lüfter zu betreiben, hat diese zur Weißglut gebracht. Schon im BIOS UEFI, also ohne ernsthafte CPU-Last, konnte man beobachten, wie die Temperatur kontinuierlich anstieg. Ich hab den („boxed“) Lüfter daher sicherheitshalber erst einmal angeschlossen.

Start-Schwierigkeiten

Als Festplatte hatte ich ja die USB-Platte des alten DVB-T-Receivers eingeplant. Nicht als sogenanntes Live-System, sondern als normale Installation. Ich meine, sowas sollte ja eigentlich gehen, von externer Festplatte booten und arbeiten. Ich hatte aber auch im Internet gelesen, dass das Probleme bereiten könnte, zum Beispiel, wenn während des Bootvorgangs der Zugriff auf die USB-Platte vom BIOS UEFI an das Betriebssystem übergeben wird.

Doch zuerst stand ich vor dem Problem, wovon ich überhaupt die Installation starten sollte. Der VDR hat derzeit gar kein optisches Laufwerk. Und um von einem USB-Stick zu booten, müsste man den anscheinend komplett überschreiben, das kann ich mit meinem Stick auch nicht machen, da sind ja (viel zu viele) Daten drauf. Da aber gerade in der c’t nicht nur mal wieder – passend zu meinem Vorhaben – ein Artikel über VDR-Einrichtung war, sondern in derselben Ausgabe erklärt wurde, wie man ein System so einrichtet, dass man per Netzwerk davon booten kann, hat mich der Ehrgeiz gepackt: Statt schnell ein Laufwerk einzubauen, habe ich ein Netzwerk-Bootsystem („PXE“) eingerichtet.

Das Paket syslinux-common liefert den PXE-Bootloader, dnsmasq sorgt für die nötige TFTP-Verbindung (und nebenbei auch für die IP-Adresse). Das zu bootende System ist hier zu finden, sinnigerweise unter dem Namen „netboot“. („netinst“ hingegen wird von CD gebootet und heißt so, weil es anschließend die Mehrheit der Pakete über’s Internet lädt.) Die tgz-Datei muss im Tftp-Verzeichnis entpackt werden.

Installation

Die Installation auf der USB-Festplatte lief nicht so rund. Ich war mir nicht ganz sicher, wieviel ich installieren sollte: ein platzsparendes textuelles Rumpf-System, oder komplett mit KDE, so dass ich nachher in der gewohnten Umgebung besser konfigurieren kann. Zuerst hatte ich nur das Basissystem installiert. Dann dachte ich mir aber, das KDE kann man ja auch nachher wieder runterschmeißen, und eigentlich stört es auch gar nicht, wenn es (reaktivierbar) auf der Festplatte rumlungert. Ich habe mich also umentschieden, und die Installation nochmal inklusive KDE gestartet. Aber… es klappte nicht. Mittendrin ging es nicht mehr weiter, weil die Festplatte plötzlich schreibgeschützt war. Ich vermute, da hat sich KDE das Gerät gegriffen und umkonfiguriert. Geklappt hat es dann, indem ich per PXE die Rumpfinstallation durchgeführt und dann aus dem neuen System heraus den Rest installiert habe.

Ich musste zwei „unfreie“ Firmware-Pakete dazuinstallieren: firmware-linux-nonfree für den DVB-T-Stick Cynergy T USB XXS, und firmware-ivtv für die Hauppauge PVR-350. (Ich finde es toll, dass Debian bewiesen hat, dass man einen Kernel komplett von ominösen Binärklumpen der Hardware-Hersteller befreien kann – und ich finde es richtig und wichtig, dass sie mir trotzdem bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden.) Die PVR-350 benötigt gleich zwei Kernel-Module, die nicht automatisch geladen werden. Der Infrarot-Kanal läuft über ir-kbd-i2c, die Ausgabe via PVR-350-Plugin benötigt ivtvfb. Beide Module kann man in die Datei /etc/modules eintragen, so dass sie bei jedem Systemstart automatisch geladen werden.

Konfiguration

Das VDR-System habe ich zuerst am Monitor eingerichtet. Das Paket vdr-plugin-xineliboutput sorgt dafür, dass die Ausgabe in einen Buffer geschrieben wird; mit dem Programm vdr-sxfe aus dem Paket xineliboutput-sxfe kann man diese Ausgabe „auffangen“ und am Monitor anzeigen. So ist man für die Konfiguration erstmal nicht auf einen Fernseher angewiesen. Mein DVB-T-Stick war diesmal schnell eingebunden – das hatte ich ja schon „geübt“ -, so dass ich auf dem Monitor schon bald fernsehen konnte.

Dann ging es an die Ausgabe per PVR-350. Das Ausgabe-Plugin von „Dr. Seltsam“ gibt es noch nicht als Debian-Paket.  Es findet sich hier, ein wenig Beschreibung gibt es im Wiki und in dem Readme, das dem Plugin beiliegt. Was mir beim Readme nicht auf Anhieb klar war: Das Plugin muss noch kompiliert werden, und es benötigt dazu die Quellen von VDR.

Zur Verwaltung meines Debian-Systems verwende ich gerne Wajig, das Schweizer Taschenmesser der Paketverwaltung. Um an den Code von Paketen kommen zu können, braucht erstmal die Datei /etc/apt/sources.list einen Eintrag in der Art:

deb-src ftp://ftp.de.debian.org/debian/ wheezy main contrib non-free 

Den Quellcode bekommt man dann mit wajig source vdr automatisch heruntergeladen, entpackt und gepatcht. Im Readme zum Plugin steht, welche Pakete man noch braucht. Bei den Multimedia-Bibliotheken sind jeweils die Versionen gemeint, die auf „-dev“ enden, also die zum Kompilieren und Linken gedachten Versionen. Das wären also libtwolame-dev und libmpg123-dev, und derzeit (bei einem aktuellen Debian Wheezy) liba52-0.7.4-dev. Außerdem braucht’s natürlich einen Compiler, wajig install g++ sollte den Gnu C++-Compiler und seine Abhängigkeiten einziehen. Der Rest ist im Readme erklärt. Nach dem Kompilieren sollte man noch das Plugin an den Ort kopieren, an dem VDR es von alleine findet: /usr/lib/vdr/plugins/. Beim Ausprobieren hatte ich zuerst das Problem, dass ich zwei VDRs laufen hatte: den installierten Daemon und einen, den ich testweise mit „vdr -Ppvr-350“ gestartet hatte. Unnötig zu sagen, dass das Probleme macht.

Es werde Licht!

Nun war es an der Zeit, die PVR auszuprobieren. Ich habe sie mit dem beiliegenden Kabel an den SCART-Anschluss des alten Fernsehers der tollsten Frau vonne Welt angeschlossen, und… nichts. Ich hab den ganzen Abend keinen Pieps und kein Bildchen aus der VDR-Kiste auf den Fernseher bekommen. Auch dann nicht, als ich Aufnahmen von älteren Tests einfach per cat my.mpg > /dev/video16 (siehe hier) direkt an die PVR-Karte geschickt habe. Am nächsten Tag wurde mir das zu bunt, und ich hab die Kiste, den Monitor, Tastatur und Maus vorübergehend ins Wohnzimmer verfrachtet und es dort probiert. Es ging auf Anhieb. Ich weiß nicht, ob der Uralt-Fernseher nicht mehr so kann oder ob wir da was falsch eingestellt hatten, jedenfalls hatte ich jetzt ein Bild.

Der VDR begrüßt einen gleich mit der Bitte, eine Fernbedienung anzulernen, und hat mich so auf eine Schwachstelle meines Plans aufmerksam gemacht: Um die Bedienung hatte ich mich noch gar nicht gekümmert. Die c’t rät ja zu einer Funkfernbedienung mit selbstgebautem Empfänger…

FernbedienungDa sowohl der DVB-T-Stick als auch die PVR-350 einen Infrarot-Empfänger anmelden, musste ich einstellen, welchen ich für die Eingabe verwenden möchte. In /proc/bus/input/devices sind alle Eingabegeräte aufgelistet. Das passende kann man dann in /etc/vdr/plugins/plugin.remote-conf eintragen. Ich habe den Hauppauge-Empfänger gewählt und zuerst den VDR auf die mitgelieferte Fernbedienung angelernt. Lieber würde ich aber meine Universalfernbedienung One For All „Smart Control“ (URC 7960) einsetzen. Die hat, seit der DVB-T-Empfänger nicht mehr will, Staub angesetzt – im wahrsten Sinne des Wortes. In meiner Naivität dachte ich mir, da der VDR zum Anlernen eh jede Taste einzeln abfragt, muss ich die nur auf der Smart Control drücken, die Hauppauge-Karte empfängt sie, der VDR merkt sie sich, fertig. Nix is‘. Die Fernbedienung sendete wohl Signale, mit der der Empfänger nicht gerechnet hat (oder gar nicht klarkommt). Ich wurde ignoriert. Aber da man auf der Smart Control jede Taste einzeln anlernen kann, habe ich die Tasten von der Hauppauge-Bedienung „kopiert“, und dann kam der Empfänger auch damit klar. Nun kann ich den Receiver mit meiner schicken Universal-Fernbedienung steuern.

Was noch?

Mein VDR ist noch zu laut. Ich möchte ihn nicht hören, wenn ich Video kucke, und zumindest auf dem Tisch ist er deutlich hörbar. Außerdem möchte ich einen zweiten DVB-T-Kanal haben. Man kann dazu mehrere DVB-T-Geräte (oder wohl auch Empfänger anderer Formate) einstecken oder sich einen Twin-Tuner kaufen, also zwei Empfänger in einem Gerät.

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