Ich seh‘ 2D!

Dies ist kein Technikverweigerungsartikel, wie die über Smart­phones und bargeldlose Bezahlsysteme. Ich mag 3D. Die Welt ist 3D, und die im Computer (und die im Kino und die im Fernseher) sollte es auch sein. Ich hab mir auch eine 3D-Brille gekauft. Ich verwende sie nur nicht mehr.

Ich hatte mir die Nvidia „3D Vision“ gekauft, einen 120-Hz-Mo­ni­tor und auch gleich noch eine neue Grafikkarte. Die Brille verschließt abwechselnd für eins der Augen die Sicht, und damit man dadurch kein flackerndes Bild bekommt, sollte der Mo­ni­tor dem­ent­spre­chend dop­pelt so schnell sein. Außerdem schrieb die c’t, dass 120 Hz sich auch ohne Brille besser anfühlen würde als 60 Hz. Und um dop­pelt so viele Bilder pro Sekunde auszuliefern, sollte auch die Grafik­karte leistungs­fähig sein.

Die Installation war damals noch reichlich wackelig. Es hat Zeit und vor allem Geduld gekostet, bis ich endlich stereosko­pische Bilder sehen konnte. Aber die waren dafür sehr überzeugend. Zum Aus­pro­bieren hatte ich das damals aktuelle Prince of Persia, das der Grafik­karte beigelegen hatte. Stolz wollte ich der tollsten Frau vonne Welt meine neuste Errungenschaft demons­trie­ren. Im Film­vorspann, der nicht in 3D dar­ge­stellt werden kann, fragte sie noch, ob das jetzt schon der 3D-Effekt wäre. Doch als auf 3D um­ge­schal­tet und der Prota­gonist ist Nah­an­sicht gezeigt wurde, fragte sie spontan: „Kann ich das noch­mal sehen?!?“ Da war der Besitzer dann doch stolz…

Viele moderne Spiele basieren auf der Darstellung eines drei­­dimen­sio­nalen virtuellen Raums auf dem Mo­ni­tor. Die Daten liegen also vor, die es braucht, um für jedes Auge einen etwas anderen Sicht­winkel zu berechnen. In Prince of Persia funktionierte der 3D-Effekt ziemlich gut. Ebenso beim nächsten Spiel, einem Auto­­renn­­spiel.

Aber als das Spiel nach einem Rennen die Ergebnisliste zeigte, war es vorbei mit 3D-Spaß: In zweidimensionaler Ansicht auf dem Mo­ni­tor sah man die Tabelle, hinter der ein Auto rotierte. In der 3D-An­sicht war aber eindeutig die Hälfte des Autos vor der Schrift – und trotz­dem verdeckte die Schrift das Auto! Auf eine derartige geo­me­tri­sche Unmöglichkeit reagiert mein Hirn empfindlich. Als nächstes wollte ich ein Point-and-Click-Adventure mit 3D-Dar­stel­lung spie­len. Da war das Problem, dass man nie genau wusste, wohin der Cursor zeigt, mit dem man Gegenstände im Spiel anklicken sollte. Je nachdem, welches Auge man verwendete, war das dann unter Um­stän­den ein anderer Gegenstand.

Die Möglichkeiten der dreidimensonalen Darstellung sind beein­dru­ckend. Und in der Theorie kann man viele Spiele, die drei­di­men­sio­nale Daten auf den Mo­ni­tor bringen, ohne Änderungen stereo­sko­pisch, also so drei­dimensional, wie unsere Augen das hergeben, darstellen. Doch der Teufel liegt im Detail. Kleine Unstimmigkeiten oder auch nur ein Mauszeiger, der nicht mehr exakt auf etwas zeigt (man stelle sich das bei Ballerspielen vor…), machen das Ganze zu­nichte.

Heutzutage sind für Computer­spie­le ja nicht mehr schnöde 3D-Bril­len gefragt, sondern VR-Bril­len wie die Oculus Rift, die Kopf­­bewe­gungen registrieren und in ste­reo­­sko­­pi­schen Bildern auf je einem kleinen Mo­ni­tor pro Auge darstellen. So kann man innerhalb der virtuellen Welt den Kopf drehen und bekommt passende Ansichten geliefert. Laut übereinstimmenden Berichten soll das sehr be­ein­druckend sein. Aber hier gilt noch viel mehr, dass der Teufel im Detail steckt. Kleine Tricks, die auf dem Mo­ni­tor stimmig aussehen, wirken plötzlich unrealistisch, wenn man mit seiner 3D-Brille „hinter die Kulisssen schauen“ kann. Außerdem wird wohl vielen übel, wenn der Gleichgewichtssinn meldet, dass man in der Gegend herumsitzt, während die Augen den sehr überzeugenden Eindruck haben, sich zügig in einer drei­di­men­sio­nalen Welt zu bewegen. Auf dem Mo­ni­tor hat man immer eine ruhende Welt drumherum, an der sich das Hirn „festhalten“ kann. Mit einer VR-Brille nicht mehr.

Mit SteamVR sind auch VR-Geräte zu erwarten, die unter Linux funktionieren. Trotzdem weiß ich noch nicht, ob ich mir eine VR-​Brille kaufen werde. Aber die Neugier ist wieder groß.

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